»Aber glaubst du denn wirklich, Elf, daß alle Menschen ihn haben?«

»Ich weiß es nicht,« antwortete nach einer Weile der Elf sinnend, »so genau kenne ich sie noch nicht, aber ich glaube, daß, wenn nur einmal ein Mensch es von ganzem Herzen und in Wahrheit gewesen ist, daß das ganze Geschlecht der Menschen damit entschuldigt wäre.«

»Ach, da sieh einer, wie du denkst!« rief der Maikäfer, »so könnte ja nach deiner Meinung ein Mensch dadurch, daß er aus freiem Willen groß und gut handelt, wie du sagst, gleich eine ganze Reihe anderer Menschen von ihren Schandtaten freisprechen.«

»Ja,« sagte der Elf einfach, »so ist es. Du kannst ja nicht ahnen, du kleines Tier, welch eine unfaßbare Fülle von Glanz und Lebenswärme schon aus einem guten Herzen erstrahlen kann. Seine Wirkung ist nicht immer erkennbar, wie die Erscheinungen, welche unsere Augen treffen, oder wie die Gegenstände, die unsere Hände berühren, aber sie ist wahr. Sieh, Lieber, das macht die Hoheit des Menschen aus, seine Würde, und das unterscheidet ihn von allen Lebendigen der großen Schöpfung, daß er den freien Willen hat, das Gute zu tun. Das macht ihn Gott ähnlich.«

»Ach,« sagte der Maikäfer, »nun sprichst du von Gott, ich weiß nichts von Gott.«

»Das ist auch nicht nötig,« antwortete der Elf und lächelte, »wenn Gott nur etwas von dir weiß.«

»Tut er das?« fragte das kleine Tier erstaunt.

Der Elf sah ihn ernst und liebreich an: »Bist du nicht einst glücklich und wohlbestellt zum Leben erwacht?« fragte er, »fandest du nicht Tag für Tag alles, was du zu deiner Erhaltung brauchtest; schien nicht die warme Sonne in deine frohen Stunden, und heilte die kühle Nacht im Schlaf nicht auch deine Sorgen? Schau’ den Schimmer deiner schönen, starken Flügel an, das Geschick deiner Glieder und den gesunden Wohlstand deiner Sinne. Ist nicht für alles liebevoll gesorgt, dessen du bedarfst, und du fragst mich, ob Gott deiner gedacht hat?«

Es war eine Weile still; der Käfer schaute sinnend in die Weite der hellen Welt, dann sagte er:

»Du machst mein Herz so froh.«