Da war es, als sein Schluchzen erklang, als lauschte die Mutter auf. Ein krampfhaftes Beben durchschüttelte ihren ganzen Körper, und während sie mit starren Augen auf dies leise Schluchzen lauschte, das von weit her zu kommen schien, brach es wie mit einer alten Erinnerung aus ihren heißen Augen hervor, glitzerte auf wie Nachttau und tropfte nieder, und eine unfaßbar wohltuende Erleichterung löste den brennenden Druck in ihrer Brust. Ihre Klage und ihr Geschrei verstummten, sie sank still in sich zusammen und weinte. Es war, als hätte eine alte Erdengnade Einzug in ihr Gemüt gehalten.
Der Elf wunderte sich und sann und sann. So hatte Uku recht behalten, aber er ahnte nicht, welche Wohltat er gebracht hatte; ihm war nur, als sei durch ein Wunder den Schmerzen der Mutter ein Ausweg geschaffen worden, die Bahn zum Himmel zu finden.
»Ich kann nicht helfen«, dachte er traurig, denn weil er ein Blumenelf war und kein sterblicher Mensch, so wußte er nicht, daß er den einzigen Trost gebracht hatte, den die Menschen in ihren größten Schmerzen annehmen können.
Fünfzehntes Kapitel
Der Fuchs
Eines Tages kamen zwei Wildenten den Bach heruntergeschwommen, ein vergnügtes Paar. Sie ließen sich treiben und machten sich hier und da am Schilf zu schaffen, wobei sie solange gegen den Strom rudern mußten, um nicht fortgetrieben zu werden. Ihr Schnattern füllte die warme Luft, zu allem, was sie erlebten oder fanden, mußte eine Bemerkung gemacht werden. Das Schilf stand damals schon ziemlich hoch, es war recht heimlich an den Ufern, das treibende Wasser schimmerte grün, und vom Sonnenschein zitterten überall goldene Tellerchen und Lichtstreifen. Im Lindenschatten der Waldwiese war es über dem Wasser am schönsten, das Licht war dort geheimnisvoll gedämpft, und die Blätter des Baums spiegelten sich in der Flut, sie zitterten und flatterten im Wasser, als ob der Wind sie bewegte.
Die Ente machte halt, suchte Grund für ihre breiten Schwimmfüße und blieb dicht am Ufer stehen.
»Ich werde hier einen Augenblick verweilen«, sagte sie zu ihrem Gatten und schüttelte sich. Ihr Mann sah hinüber, nickte ihr zu, kam dann auch und stellte sich neben sie.
»Darüber fällt es einem mal wieder ein,« sagte er in bester Laune, »was wir Enten alles können. Es gibt kein Tier, das so viel kann, man darf sie alle nacheinander durchdenken, es findet sich keines, das zugleich schwimmen und fliegen, auf dem Trocknen gehen und im Wasser sitzen kann. Denke an die Fische, meine Liebe,« fuhr er fort, »sie können schwimmen, das ist wahr, aber nur unten. Hast du einmal einen Fisch gesehen, der schwamm, während er den Kopf aus dem Wasser streckte?«
»Wenn du von Fischen sprichst,« antwortete die Ente, »so muß ich immer an die kleinen denken, die man essen kann, wenn es einem gelingt, sie zu fangen.«
Aber ihr Mann ließ sich nicht stören.