Ich habe das Panja damals nicht gesagt, er lief hin und her und hantierte dergestalt mit den Gegenständen, daß man deutlich wahrnehmen konnte, daß keine Zweckmäßigkeit mit seinem Eifer verbunden war. Es ist merkwürdig, daß Leute, die ärgerlich geworden sind, so oft dazu neigen, leichtere Gegenstände von einem Platz auf den anderen zu stellen, und dann mitunter sogar wieder von dem neuen Platz auf den alten zurück. Offenbar liegt es daran, daß ihre Gedanken mit den Entschlüssen ähnlich verfahren, und daß ein heimlicher Hang existiert, den Körper und die Seele möglichst im Einklang miteinander zu erhalten. Ich erinnerte mich bei Panjas nutzloser Beschäftigung meines Vaters, wenn er aus irgendeinem Grunde zum Ausdruck brachte, daß seine Weltanschauung sich nicht mit der meinen deckte. Leider geschah dies gewöhnlich bei den Mittagsmahlzeiten, denn sonst vermied ich es nach Kräften, ihm ohne Grund längere Zeit ruhig gegenüberzusitzen, und dann sah ich, wie das Messer oder die Gabel, auch das Salzfaß oder der Serviettenring bald an die rechte, bald an die linke Seite des Tellers wanderten. Leider hatten wir damals Messerschärfer aus Schmirgelstein in Gebrauch, runde, schwarze Stäbe von der Länge einer mäßigen Spargel und mit einem polierten Handgriff aus Hartholz. Wenn zufällig eine besonders wichtige Meinungsäußerung meines Vaters mit dem Transport dieses nützlichen Gegenstandes zusammenfiel, so geschah es in der Regel, daß der Schmirgelstein zerbrach, denn seine Überlegenheit, selbst dem besten Stahl gegenüber, bewährt sich nicht im Kampf mit der Tischplatte.

Dies erhöhte den Verdruß meines Vaters bis an die Grenze bedenklicher Einseitigkeit und zog die Laune meiner Mutter in Mitleidenschaft, während es meist meinem Selbstbewußtsein einen erheblichen Aufschwung verlieh und mir nicht ohne Berechtigung den Gedanken beibrachte, daß mein Charakter in den Augen meines Vaters um vieles milder angesehen würde, wenn wir Messerschärfer aus gerilltem Stahl in Gebrauch nähmen.

So sagte ich denn Panja meine Ansicht über Messerschärfer, und dieser unerwartete Ausdruck meiner Überzeugung brachte ihn so weit zur Besinnung, daß ich Tee bekam.

Er trank mit, wie gewöhnlich, hockte mir gegenüber in der Morgensonne und rückte melancholisch an seinem Turban. Außer ihm trug er nun schon seit Wochen nicht mehr als ein schmales Lendentuch, aber auf seinen schweren Turban verzichtete er selbst in der größten Hitze nicht. Es ist wirklich recht merkwürdig mit diesem Panja gewesen, je entschiedener sein Widerspruch oft zu Anfang war, um so lebhafter wurde sein Eifer für gewöhnlich von dem Augenblick an, in dem er merkte, daß ich nicht umzustimmen war. In beidem erkannte ich die ehrliche Besorgnis seiner Neigung, und ich erinnere mich seiner niemals ohne den Kummer über einen der größten Verluste meines Lebens. Die Harmonie unseres Verhältnisses mag im Grunde auf seiner Gewißheit beruht haben, daß die Überlegenheit meiner Rasse mit der Unerschütterlichkeit eines Naturgesetzes feststand. Das nahm seinem Wesen jede Devotion im niedrigen Sinn und machte seine Ergebenheit durch eine Demut würdig, die beinahe einen Einschlag von Religiosität hatte. Heute bebaut er in Malabar die Reisfelder am Purrha, jenem beschatteten Landstrich am Palmenwald, auf dem die Hütte seines Vaters stand, und den er aufgeben mußte, um in der Fremde zu dienen, weil seine Brüder den Verlockungen der großen Städte in Verschwendung erlegen waren. Der Rückkauf dieses Stückchens Land war meine letzte Gabe an ihn, und es bedrückt mich, daß ich ihm niemals die Gewißheit habe verschaffen können, daß seine Gaben an mich reichere und unvergänglichere Geschenke gewesen sind.

Als der Tee getrunken war, sagte er wütend:

„Aber Pascha bleibt hier.“

Er tat immer noch so, als wäre an diese Reise auf keinen Fall zu denken, und wahrscheinlich meinte er deshalb nach einer Weile:

„Es sind drei Tage oder Nächte für den Aufstieg nötig, aber in der halben Zeit steigen wir ab. Hast du etwa geglaubt, wir brauchten länger?“

Ich hatte es nicht geglaubt.

Panja sah hinauf zu den Gipfeln. Oben flutete alles in Licht, ein nie gesehener Glanz verklärte die einsame Ruhe, die kreisenden Adler schimmerten, als wären sie aus Gold.