„So geht es auch mir,“ antwortete ich ihm, „und so ist es mit dem goldgestickten Kleid, von dem du gesprochen hast.“
Er schüttelte eifrig den Kopf.
„So kann es nicht sein, denn ich bin dein Diener, du aber bist der Herr und mußt recht behalten. Bist du ein Diener des Königs, daß es dich quälen könnte, wenn er schweigt, und du fühlst, daß er doch im Grunde recht hat? Du läßt ihn sitzen und gehst. Aber ich kann nicht fortgehen.“
„In dem Reiche, in welchem es mir gefällt, gibt es keine Herren und Knechte, Panja, sondern nur lebendige Wesen, und das Ziel aller Lebendigen ist die Freiheit. Der Wunsch nach rechter Freiheit aber richtet seine Augen nicht auf andere, sondern zuerst in die eigene Brust. Auf diese Art braucht niemand um sein Recht besorgt zu sein, es fällt jedem sein Teil zu, wenn jeder sein Teil erkennt und bewacht.“
„Wenn dein Gott dich das lehrt,“ sagte Panja, „so kennt er die Welt nicht und weiß nicht, wie es in ihr zugeht.“
„Vielleicht weiß er nicht, wie sie ist, aber er weiß, wie sie sein sollte.“
„So sage mir, was du Freiheit nennst? Wie soll ich dich verstehen?“
„Freiheit beginnt mit der Erkenntnis und dem Willen, daß man sein Handeln nicht mehr danach richtet, was man anderen damit antut, sondern danach, was man sich selbst zufügt, oder was man um seiner selbst willen unterläßt. Nimm an, du schlägst einen Menschen oder ein Tier, das mag zuweilen notwendig sein. Du und das fremde Wesen, ihr beide werdet etwas dabei empfinden. Es wird dir solange gleichgültig sein, was ein anderer dabei fühlt, bis du gelernt hast, zu beachten, was dir selbst dabei durch die Seele geht. Hierauf achtzuhaben und sein Handeln danach einzustellen, ist der erste Schritt zur Freiheit.“
„Und der letzte?“ fragte Panja.
„Der letzte ist der Wille, alles Böse deines Herzens in Liebe zu verkehren.“