Eingehüllt in die Geheimnisse der Fremde, wieder erlöst durch die himmlische Klarheit der Sonne und geleitet von der unermüdlichen Lebenslust der Jugend, flossen meine Tage dahin. Meine letzten Bücher wurden ein Raub der Insekten, meine Gedanken eine Beute der Träume, und selbst meine Zukunftshoffnungen fielen für lange dem sanften Rausch so vergänglicher wie überwältigender Genüsse zum Opfer. Ich erwachte unter dem Glitzern der Sonnenspeere, die durch die Blumen und Palmengefieder in mein Zimmer sanken, unter dem Duft des Tees, den Panja mir an mein Lager brachte, und meine erste Erwartung galt der grünlichen feuchten Landzigarre, die, dick und lang wie ein Treibhausspargel, aus besten Blättern gewickelt worden war. Der goldene Tag zog herum bei Schmetterlingsjagden oder Kahnfahrten, am frischen Meer oder im tiefen Schatten des Palmendickichts, zwischen weisen und närrischen Menschen oder Tieren, zu Pferd oder zu Fuß verbracht, und immer in jener unnennbaren Erhobenheit, die das Bewußtsein einträgt, von allen geachtet oder gefürchtet, sicherlich aber für etwas ganz Außerordentliches angesehen zu werden. Bis der kühle Abend niedersank, mit dem Gesang der Menschen, dem gespenstig wandernden Licht der großen Leuchtkäfer, den Lauten der liebesseligen Tiere, und ob ich die weißen Nächte im Schein des gewaltigen Monds allein zubrachte oder nicht, werde ich nicht sagen, denn es gibt zu viele Menschen, die solcherlei Erwägungen in ernstliche Besorgnis wirft, und man soll niemand Sorge bereiten, am wenigsten durch die Erinnerung an eigene Freuden.

Auf diesem so ausgedehnten Gebiet muß Panja in ernstliche Bedrängnisse geraten sein, eines Morgens schüttete er mir sein Herz aus. Das hatte einen ganz besonderen Grund, und der Anlaß waren zwei lange Schrammen, die vom Auge über seine Wange niederliefen, und deren Ursprung sich um so leichter erraten ließ, als er die Nacht über fort gewesen war.

Als er sah, daß ich sein Gesicht musterte, während er das Frühstück bereitete, meinte er bedauernd:

„Diese Dornen, Sahib! Man weiß nicht, wie man ihnen im Dunkeln entgehen soll, es ist Zeit, daß ich im Garten wieder Platz schaffe.“ Und wir klagten eine Weile miteinander über die Dornen.

„Zuweilen sitzen zwei nebeneinander,“ sagte ich, „ähnlich wie die Fingernägel einer Hand.“

Panja musterte mich mißtrauisch, aber da ich ernst blieb, meinte er zögernd:

„Ja, auch das, es kommt allerlei vor.“ Aber dann mußte er doch ein Lächeln gewahr geworden sein, denn er sprang ärgerlich auf, stampfte mit dem Fuß und rief:

„Also weißt du es, Sahib! Gut, aber was wird dadurch besser? Ist es schön von dir, jemand zu verhöhnen, der ohnehin Undank geerntet hat?“

Ich beruhigte ihn und sprach ihm Trost ein, er war ernstlich erbittert und weit davon entfernt, auch nur einen Schatten von Schuld an diesem Unheil bei sich zu suchen. Da wurde er melancholisch, wie gutmütige Leute mit bösem Gewissen es leicht werden, wenn man ihr Verbrechen auf andere schiebt.

„Kratzen die Frauen deines Landes auch?“ fragte er, da er mein bewiesenes Verständnis aus meinen Erfahrungen ableitete.