„O Gott,“ sagte Panja betroffen, „wer denkt gleich an das Schlimmste!? Aber auch, wenn ich mich darüber freuen sollte, so kann ich doch nicht an einen Sohn denken, wenn ich keinen habe.“
„Ist das Vergessen schöner oder die Erinnerung, Panja? Sieh um dich in der Natur, wohin du willst, und unter den Menschen, immer geht die Liebe mit der Erinnerung und das Laster mit dem Vergessen. Ist nicht ein Kind die schönste Erinnerung an die Liebe und der lieblichste Begleiter auf dem Wege vom Sommer zum Herbst?“
Panja rückte an seinem Turban und kratzte sich umständlich, was immer ein Beweis war, daß etwas über seine Sinnenwelt hinaus in sein Herz gesunken war, aber es blieb in der Regel sein einziges Zugeständnis an mich.
„Ich bin kein Brahmine,“ sagte er endlich, „warum soll ich also nachdenken? Du hast nur deshalb schöne Gedanken, Sahib, weil du die Frauen nicht kennst. Wenn du einmal ein Weib genommen hast, so werden die guten Gedanken ausbleiben.“
Ich mußte lachen, und Panja triumphierte. Nun war er es, der mich belehrte.
„Vielleicht sind die Frauen deines Landes anders, Sahib, aber wahrscheinlich ist es mit den Frauen wie mit der Palme, überall in der Welt ist sie dieselbe. Hast du niemals gemerkt, daß sie im Grunde alle dumm sind? Du kannst es daran sehen, daß sie sich in gleichem Maße vor einem Tiger fürchten wie vor einer Maus, denn nicht einmal zwischen diesen beiden Tieren können sie den Unterschied herausbringen. So kennen sie auch bei den Männern keine Unterschiede, und als der beste erscheint ihnen immer der, den sie lieben.“
„Ist das nicht ein Vorzug?“
Aber Panja ließ sich nicht ablenken: „Sagst du etwas recht Dummes, so reißen sie die Augen auf und strahlen, nur weil es vielleicht auf das Gleichgültigste der Welt zutrifft; sagst du aber etwas Gescheites, was alle Klugen bewundern würden, so vergessen sie es sofort, nur, weil sie es nicht in ihr Haar stecken können. Oh, was kann nicht alles geschehen! Mit der Zeit wird vielleicht deine Liebe abnehmen, und du kehrst zu vernünftigen Gedanken zurück, aber dann nimmt die ihre genau in dem Maße zu, wie sie dir gleichgültig wird. Sie behängt dich mit allem, was sie ausdenkt oder findet, wie einen wundertätigen Götzen, bis du anfängst, selbst so Ungeheuerliches von dir zu glauben, daß du ein Gespött der Männer wirst. Wie aber ist es erst, wenn dein Herz an dem ihren hängen bleibt, und dein Eifer und deine Mühe machen sie kälter und kälter? Gib du selbst alles, was du hast, und ohne Rückhalt dich selbst, sofort fängt sie an, nach anderen Männern Ausschau zu halten. Die Seele solcher Frauen ist wie eine Grube, die kleiner wird, je mehr man hinzutut, und das Elend in deinem Hause nimmt kein Ende. Ach, du weißt nicht, wie es selbst den Braven ergeht! Du hast einmal gesagt, durch Geben wird niemand arm, aber alles, was einem herzlosen Weib gegeben wird, ist verloren.“
„Das ist vielleicht richtig, Panja,“ unterbrach ich seinen Eifer, „aber nicht alle Frauen sind herzlos.“
„O Sahib, solange du lieben mußt, ist in deinen Augen alles schön, was du an einer Frau erblickst,“ entgegnete Panja überzeugt, „und das Böse an ihr entfacht nur den Eifer deiner Gunst.“