„Die Engländer fürchten meinen Freund, Panja. Das Schlimmste, was ihm geschehen kann, wird seine Verbannung sein, und wenn auch mich dies Unheil träfe, so käme es nur mit meinen Absichten zusammen, und wir führen vielleicht auf Staatskosten nach Bombay statt auf eigene.“

Panja wandte sich ohne Erregung, fast traurig ab.

„Du kennst das Land nicht, Herr. Wer spricht von einer Gefahr, die dir oder dem Brahminen von England drohen könnte? Weißt du nicht, daß Mangesche Rao unter den Priestern seiner Kaste so verhaßt ist, wie die Hyäne unter den Schakalen? Ihre Waffen ersticken den Schrei im Halse, unter dem Palmendickicht ist Finsternis, in die kein Richter schaut. Man sagt von der Kobra, daß man sie erst erblickt, nachdem der Tod einem die Augen geöffnet hat, und die Kaste dieser Priesterlichen nennt diese Schlange heilig.“

„Was meinst du denn, Panja?“

Ich fragte angeregt, denn wenn dieser merkwürdige und kindliche Freund meiner indischen Tage nicht in Eifer geriet, so war ihm sicherlich zu glauben. Ich wußte längst, daß sein anfänglicher Haß gegen Mangesche Rao sich in heimliche Neigung verkehrt hatte, eine Wandlung, die seine Eifersucht nicht ausschloß, die mich aber aufmerksamer auf seine Besorgnisse machte.

„Ich weiß es nicht,“ antwortete er, „warum aber begibst du dich in Gefahr? Wer würde dich schützen? Einem Engländer darfst du nur so lange trauen, wie du ihm Vorteile bietest, und wenn du mit seinen Feinden umgehst, kann er dich nicht für seinen Freund halten. Mangesche Rao steht in der Mitte, die keinen Halt gewährt, sowohl die Priester als auch die Regierung halten ihn für einen Verräter, denn im Kampf um das Land schaut niemand eines Menschen Herz an, wie du es tust.“

„Panja, die Freuden des Daseins, welche sich allen ohne Gefahr bieten, sind mir gleichgültig. Was ich empfange, ist meinen geringen Einsatz wert.“

„Ich spreche nicht so, weil ich dich verlassen will“, antwortete Panja einfach. Ich hatte ihn lange nicht mehr so ernst gesehen, und nachdenklich erwog ich meine Lage.


Mangesche Rao kam in den letzten Wochen seltener. Es lag eine aufreibende Spannung in der Luft, die um so drückender wirkte, als sich ihre Ursache beharrlich verbarg, aber die Stimmung meines neuen Freundes schlug in Stunden unseres Beisammenseins oft in heitere Unbefangenheit um. Er vergaß über unseren vielerlei Gesprächen die verantwortungsvollen Lasten, die seine freiwillige Pflicht ihm auflud. Eines Abends brachte sein Diener, der ihn begleitete, das Fell eines siamesischen Panthers mit, das mir Mangesche Rao zum Geschenk machte. Er wollte, daß ich ein Andenken von ihm annehmen sollte, und mir war für einen Augenblick, als handelte es sich um einen Abschied. Meine Augen ruhten den Abend hindurch oft auf dem tiefen Schwarz des herrlichen Fells, mit tausend Erinnerungen an die Wildnis stieg der Gedanke an die Nacht in meiner Seele empor, an die Nacht Indiens und an die Herrschaft des Tiers.