„Wollen Sie diese Schriftstücke in Ihrem Hause verbergen?“ fragte er gleichmütig.

Ich bejahte seine Frage ohne Besinnen, im Augenblick nur in schnellen Erwägungen damit beschäftigt, welcher Ort meiner Wohnung oder meines Gartens am geeignetsten sein möchte. Es kam mir keinen Augenblick in den Sinn, daß es in Mangalore Verstecke genug für eine Handvoll verdächtiger Papiere geben mußte, und der Gedanke, etwa mißbraucht zu werden, lag mir so fern, wie ich tief durchdrungen war vom Charakter und Wert des Mannes, der mich bat.

Später habe ich oft daran denken müssen, welche Empfindungen in der Seele eines jungen Menschen Entschlüsse ähnlicher Art zu zeitigen vermögen, und wie selten die Gesinnung eines auf solche Weise Bereitwilligen im Grunde mitzuspielen braucht. Es mag sich so mancher, der durch einen raschen Entschluß, den vielleicht die gedankenlose Erbötigkeit eines Augenblicks mit sich gebracht hat, um die Freiheit seiner ganzen Jugend und um den Preis seines tätigen Lebens gebracht haben.

Ich griff nach dem Päckchen. „Verlassen Sie sich auf mich“, sagte ich. Darüber kam mir in den Sinn, daß mein Freund mir soeben noch mitgeteilt hatte, daß ich morgen mit einer Haussuchung zu rechnen hätte, und ich stellte eine Frage, um diese seltsamen Zusammenhänge aufgeklärt zu sehen.

„Ich möchte, daß diese Schriftstücke bei Ihnen gefunden werden“, sagte Mangesche Rao. Er sprach leise und vorgeneigt, aber ohne Eifer und ohne den Wunsch, mir seine Verfügung dadurch geheimnisvoller zu machen. Wer in Indien eigene und gefahrvolle Interessenwege beschreitet, weiß, daß nicht nur die Wände Lauscher verbergen, sondern daß auch von der Nacht, den Frauen und dem besten Freunde Gefahr drohen kann. Ich ahnte seine Besorgnis und sagte:

„Mein Diener ist zuverlässig.“

Mangesche Rao schüttelte den Kopf. „Er ist ein Kind“, sagte er. „Gesinnung und Aufrichtigkeit ohne Schlauheit sind wie Verräter für jeden bei uns, welcher die Mittel seiner Feinde kennt. Sie müssen aus einem Lande stammen, in welchem der Freimut und die Kraft neben der Kühnheit als hoher Ruhm gelten, sie mögen zur Ehre eines freien Volkes gehören, dies Volk hat seine Freiheit fast vergessen.“

Irgend etwas überwältigte mich nach diesen Worten zu einer Traurigkeit, in welcher ich zum ersten Mal die Liebe meines Herzens zu diesem Manne in ihrer ganzen Tiefe empfand, und ich hätte ihn inständig bitten mögen, von diesem fruchtlosen und bösen Kampf zu lassen. Mir wurde klar, daß sein Wesen bei aller Kraft seines Geistes den Waffen seiner Gegner nicht gewachsen war, denn den Hochgesinnten überwältigt im Kampf mit der Niedrigkeit zuletzt der Ekel, aber ich schwieg aus Ehrfurcht vor dem Feuer, das in seiner Seele brannte.

Mangesche Rao fuhr fort: „Machen Sie es den Suchenden nicht gar zu leicht, aber tragen Sie Sorge, daß sie die Papiere auf jeden Fall finden. Sollte der Zufall, der so gerne dort zu spielen liebt, wo die Absicht am deutlichsten ist, den Erfolg der Engländer vereiteln, so verraten Sie die Dokumente dadurch, daß Sie sie, scheinbar ungeschickt, zu verstecken trachten, während noch gesucht wird.“

Er brach plötzlich ab und wartete wie auf einen Einwand, aber ich sprach das Mißtrauen oder die Besorgnisse nicht aus, die er bei mir zu vermuten schien, weil kein Argwohn gegen den Freund in meinem Herzen war, und weil ich wußte, daß er niemals etwas von mir fordern würde, das ihm diente, indem es mich schädigte. So erklärte er mir die Absicht, die er mit dieser Maßnahme verfolgte: