„Unsere Zeit ist noch nicht gekommen,“ sagte er einfach, „die Funde, welche in Ihrem Hause gemacht werden, sind argloser Natur, aber immerhin bezeichnend genug, um als eine wichtige Entdeckung gelten zu können. Der Verdacht wird durch diese Dokumente abgelenkt und die Spur verwischt werden, man wird ihren Inhalt dankbar als Resultat der Untersuchung betrachten und an ihm die Eigenart und den Umfang jener Umtriebe messen, die Verdacht erregt haben. Einige unserer Freunde werden bloßgestellt, aber sie sind bereit, der Sache das Opfer zu bringen, das in der Verbüßung einer geringen Strafe besteht. Zuletzt wird man nicht viel mehr in Erfahrung gebracht haben, als ohnehin schon bekannt ist.“
„Sie sagen mir viel“, antwortete ich dankbar und voller Bewunderung für das Geschick dieses Plans.
„Ihr Vertrauen verdient das meine“, sagte Mangesche Rao einfach, und ein warmer Blick, der das kühle Maß dieser stets so beherrschten Züge durchbrach, traf meine Augen kurz und traurig.
Ich fragte noch, wie ich mich einem Verhör gegenüber zu verhalten hätte, welches danach forschte, wie die Papiere in mein Haus gekommen seien.
„Nennen Sie meinen Namen“, entschied Mangesche Rao.
„Und wenn Sie selbst eine Strafe trifft?“
„Man wird es nicht wagen und sich an die halten, welche wir vorgeschoben haben, aber besser wäre es, man wagte es, weil meine Bestrafung mir das Vertrauen derer sichern würde, für welche ich sie trage. Je mehr die Regierung mich schont, um so eher werden die Brahminen von Mangalore mich für einen Abtrünnigen halten. Meine Offenheit gegen die Priesterkasten selbst würde Verräter im eigenen Lager erwecken, meine Vorsicht dagegen macht sie mißtrauisch. Es ist schwer, im dunkeln Wald einen geraden Weg zu gehen.“
Strahlend stieg ein neuer Tag über Mangalore empor. Ich ritt, schon bevor die Sonne die Spitzen der braunen Pagoden färbte, durch die sumpfigen Mangroven-Dickichte der Flußniederungen, von Panja begleitet, der wie in einer Ahnung der hereinbrechenden Ereignisse nicht von meiner Seite wich. Eine seltsame Fremdheit lag in meinen Augen über der Landschaft, ihren Tieren und Pflanzen und über allen Dingen. Als ich nahe bei einem hölzernen Lagerschuppen ein Boot im dunklen Wasser erblickte, auf dem ein Hindu fröstelnd in der Morgenkühle hockte und, noch benommen vom Schlaf, in die grünschimmernde Weite starrte, kam mir jener Tag in den Sinn, an welchem ich zu Beginn meiner Dschungelfahrt in Tschirakal am Watarpatnamsee angelangt war und Panja mit den Mohammedanern um den Preis der Kanus stritt.
Die Erlebnisse und die Bilder meiner Reise zogen mit dem heraufsteigenden Tag durch meine Erinnerung, mit ihrem Glanz und ihren Sorgen und ihrem nie ruhenden Wunsch meines Herzens es möchte in diesem Lande Heimatrechte und jene Beziehungen erwerben, die Vertrautheit zur Liebe führen. Huc, der Affe meines Traums, saß wieder mit alten Augen vor mir, wahrsagerisch und weise, von jenen Hoffnungen der seufzenden Kreatur ermüdet, die so alt sind wie die Schicksale der Erde.