Die Moorvettel
Sie lassen sich vorher auch befragen,
auch sprechen sie, ohne daß man sie fragt.
Arne
Da hast du recht, Gott sei’s geklagt.
Ich gesteh dir, wenn auch in anderem Sinn,
daß ich doch ganz deiner Meinung bin.
Die Moorvettel
Die Menschen sind töricht, taub und blind
und haben vergessen, was sie sind.
Ihr Wohl, ihr Ungemach, ihr Wesen
ist überall auch hier zu lesen.
Ich seh ihr Lächeln, Klagen, Mühn
in Licht und Nacht hier draußen blühn.
Kein Unterschied, wohin man sieht,
immer das Gleiche, was geschieht.
Hier klein und nichtig,
kein Mensch schaut sich um,
dort nennt ihr es wichtig
und wißt nicht warum.
Arne
Alte, die Weisheit ist ungewaschen,
läßt mir das Wichtigste durch die Maschen.
Die Moorvettel
Kommt der Herr Pfarrer mit Gott und Gericht,
tut der Herr Pfarrer seine Pflicht.
Oder auch gar mit Moral und Vernunft?
Spricht von der Menschheit und meint seine Zunft.
Stehn Euch die Dogmen kurios zu Gesicht,
aber ich Alte glaub sie Euch nicht.
Sollt mir mit Euren geborgten Waffen
nicht meine Sinne Lügen strafen.
Vier Pfarrer sah ich hier, Jahr nach Jahr.
Der Erste von ihnen mein Liebster war,
der Zweite brachte mir Schmach und Skandal,
der Dritte gab mir das Abendmahl.
Doch statt daß es mich in den Himmel gebracht,
hat es mich wieder gesund gemacht.
Dann hat er den eigenen Tod gehört,
was war ihm da Kelch und Kanzel wert?
Er schickte nach mir und meinem Kraut.
Ich hab’s ihm nach meinem Willen gebraut;
fürs zeitliche Leben hat er’s genommen
und ist ins ewige Leben gekommen.
Da hatte die heilige Seele Ruh
und machte die lüsternen Äuglein zu.
Der Vierte wart Ihr. — Was wollt Ihr hier?
Die Anderen waren nicht »ja« und nicht »nein«,
so muß wohl ein brauchbarer Pfarrer sein.
Nur im »vielleicht« gedeiht seine Pflicht,
aber Ihr taugt zum Pfarrer nicht.