»Ach, wenn es Afra nicht gäbe«, seufzte Iduna, »ich wäre längst von dannen. Wenn man sie reiten sieht, erholt sich das Blut. Aber ich kann die Herrin nicht mehr verstehen. Heute in der Morgendämmerung saß sie auf einem Schemel im Zimmer des Propheten und sah zu ihm auf, während er zeichnete. Einen Ast! Was rechte Maler sind, die tun sich in Farben um und suchen Bilder zustande zu bringen, solche, wie sie hier und dort hängen, oder Landschaften, Wasserfälle und Kapellen, die an Seeufern unter Bäumen liegen. Als ob man das nicht wüßte ... dieser Narr.«

»Er hat mit Kohle auf Papier das Gesicht eines Mannes gezeichnet«, sagte Melchior. »Kein Gesicht sieht so aus, und es erscheint, als sei es nicht fertig. Er hat es mit einer Nadel an die Tapete gesteckt. Dieses Gesicht ist lebendig, ich muß daran denken, es geht mit mir umher, redet und schaut.«

Iduna kicherte. Sie dachte an etwas anderes:

»Herr Friedel weiß über ihn Bescheid. Hör ihn reden.«

»Das höre ich den ganzen Tag und die halbe Nacht.«

Auf der Treppe klang Afras Schritt, und Iduna verschwand. Melchior stieg umständlich vom Tisch.

»Afra«, sagte er, als das junge Mädchen eintrat, »ich brauchte ein wenig Geld.«

»Gut, der Verwalter wird dir geben.«

»Er sagt, er habe nichts mehr zu seiner Verfügung.«

»So warte bis morgen ... Nun?«