»Du hast Schatten unter deinen Augen, Afra, du siehst krank und traurig aus. Ich kann nichts tun?«

»Nein, laß doch. Es muß gehen, wie es will ... ich ...«

Sie sah sich um, als suchte sie jemand.

»Es ist niemand da«, sagte Melchior.

Afra lehnte sich an die Tür. »Ich weiß«, sagte sie besonnen und mit traurigem Nachdruck. Sie erschien schlank und groß, wie sie in verlorener Befangenheit in dem hohen dämmerigen Saal stand, ratlos, wie nach einem zögernden Schritt ins Ungewisse. Die Verblichenen der Bilder sahen auf sie nieder.

»Melchior«, sagte sie plötzlich, »weißt du, was der Sessel dort bedeutet?«

Der alte Diener nickte.

»So was darf man nicht tun«, sagte er feierlich. »Die Toten soll niemand zum Gespött machen, wer von uns könnte ertragen, zu denken, daß Überlebende ihr Spiel mit unserem Andenken trieben? Sie haben den Sessel an den Tisch gerückt, damit nachts der Geist des Toten mit ihnen zechen soll, sie geben ihm Rotwein, hat mir Martin gesagt. — Iduna geht nachts zu Herrn Gentler ...«

»Schweig. Iduna kann tun, was sie will. Tue ich nicht genug, wenn ich ihnen die Felder pflüge?! Für die Sauberkeit ihrer Stuben mögen sie selbst sorgen.«

»Sie treffen sich im Zimmer der gnädigen Frau«, fuhr Melchior eigensinnig fort, mit einem verborgenen Jammern in der gebrechlichen Stimme, »und dort ist es noch alles beim alten.«