»Wartalun ist wunderschön«, sagte Afra, und erst daran, daß er nach diesen Worten unbefangen zu sprechen begann, wußte sie, daß sie ihm damit aus seiner Verwirrung geholfen hatte. Und während er erzählte, mußte sie wieder und wieder denken: Nun erst wird das Leben schön. Ich habe wie ein Kind gespielt und geschlafen. Ihr war, als liebte sie diesen Mann neben sich, weil er der erste war, der ihr Gelegenheit gab, neue Kräfte ihres Wesens in heißem Daseinsglück zu verspüren und zu erproben.

Sie warf die Stirn zurück und gab der Sonne ihr Haar. Ihre Lippen bekamen etwas von jenem irdischen Daseinslicht, das zuweilen die Lippen junger Frauen umglüht, die sich zum erstenmal über schwerem Wein schließen, so daß das tiefe Blut der Erde im Lebensblut ihres Leibes in die Lippen emporsteigt, als blühten wieder die Reben ...

Nun verstand sie ihn wieder, konnte, zurückkehrend aus sich, seinen freundlichen Worten folgen:

»Als dann die Nachricht zu mir kam, dies alles sollte mir zufallen«, sagte er, »traf sie mich ohne rechte Kraft, mich ihrer zu freuen. Ich war ganz mit meinen Studien ausgefüllt und hatte kein anderes Ziel im Auge, als ihre Vollendung. Jeder Besitz, der über die Ansprüche meines Daseins hinausgeht, hat mich fast immer noch beunruhigt. Ich trage schwer am Gefühl der Verantwortlichkeit, nehme es auch vielleicht mit der eigenen Innenwelt und mit den Aufgaben, die sie mir stellt, ein wenig zu schwer ...«

Er lächelte traurig vor sich hin und schien ganz zu vergessen, vor wem er sprach. Ihm war, als spräche er vor sich hin, wie er gewohnt war, es oft auf einsamen Spaziergängen zu tun.

»Meine Frau«, fuhr er fort, »wollte dann, daß ich unser neues Eigentum selbst verwalten sollte. Ihr war es seit langem ein lieber Wunsch, die Stadt zu verlassen, die sie niemals recht geliebt hat. Und schließlich hat sie wohl recht damit, wenn sie meint, auch hier ließe sich für mich Zeit erübrigen, meinen Studien zu leben. Aber je mehr ich beginne, langsam die ganze Größe dieses Besitzes zu ermessen, alle Pflichten einzusehen, die sich mir aufbürden werden, um so mehr beunruhigt mich mein Entschluß. Es ist auch alles noch ungewiß.«

»Wieso?« fragte Afra.

Er schien eine andere Antwort erwartet zu haben, ging aber gleich auf ihre Frage ein.

»Mein Verwandter teilte seine letzten Lebensjahre mit einem jungen Ding, zu dem er eine große Vorliebe gefaßt zu haben schien. Ich kenne nur ihren Vornamen, mir wurde von ihr nur als von einer gewissen Afra berichtet und daß sie die Tochter des Gärtners sei. Ein seltsam unverständlicher und außerordentlich altväterisch verfaßter Brief ist vor dem Testament in meine Hände gelangt. Er wirkt eher wie eine philosophische Lebensbetrachtung als wie das rechtsgültige Dokument einer letzten Verfügung. Das Testament selbst hat noch nicht eröffnet werden können, da ich noch Papiere beizubringen habe. Aber das ist nur noch eine Frage von Tagen.«

»Ist Ihnen so gleichgültig, was darin steht?« sagte Afra.