»Auch du schläfst nicht, Elsbeth? Wie das Neue hier alles in einem zu verändern trachtet. Ich fürchte sehr, daß ich hier lange Zeit nicht zur Arbeit kommen werde. Die Verwaltung erfordert viel ernstliche Mühe, bis ich ein wenig übersehen gelernt habe, wo ich notwendig bin. Aber es erscheint mir so, als herrschte allenthalben große Ordnung, die Erträglichkeit der Güter ist ungewöhnlich. Wir sind sehr reich geworden, Elsbeth.«
Sie schwieg.
»Hast du gesehen, wie wunderschön der Schloßhof und der Park im Mondlicht liegen? Hörst du den Brunnen? Ich glaube, wir werden hier lernen, glücklich zu leben, und dein Kindlein erwacht in einem sonnigen, freien Paradies zum Dasein. Denke an den Weg, den wir durch den Wald und über die Felder gemacht haben. Alles, was du hast sehen können, wird einmal sein Eigentum sein.«
Da hörte er, daß sie weinte. Er sprang empor und setzte sich an ihr Bett, die Hände um ihre Schläfen, beugte sich tief über sie und flüsterte innig und liebevoll.
»Begegnet man so einem großen Glück?« versuchte er sie endlich zu trösten. »Gestern warst du noch guten Muts, als wir ankamen. Diese Einsamkeit ist gewißlich ein herber Gegensatz zu dem Leben und Treiben, aus dem wir uns losgerissen haben, aber es ist dein Wille gewesen, und du wirst bald empfinden, daß es recht war, ihn auszuführen.«
Sie legte den Arm um seinen Hals und ließ traurig den Kopf zur Seite sinken, die Augen gegen das weiße Licht geöffnet, das ins Zimmer sank. Und so sprach sie auch, von ihm abgewandt und als wüßte sie kaum, daß er ihr zuhörte:
»Ich fürchte mich. Ich meine, daß ich das Leben nie verstanden habe. Ich habe gehofft, daß ich hier, von allen Menschen entfernt, meiner selbst viel sicherer würde, daß die Ruhe und die Natur mir helfen könnten, vieles leichter und freier zu begreifen als früher, aber hier bedrückt mich alles. Sieh diese Wände an, es würde kein Ruf, kein Geschrei durch sie hindurch zu den Menschen dringen, niemand würde uns hier jemals suchen, man ist wie verabschiedet von allen Lebendigen, und das Moor sieht aus wie ein einziges endloses Totenfeld. Zu diesen Menschen werde ich niemals lernen eine Beziehung zu unterhalten, und ich werde nie ihr Herz finden. Ich verstehe sie in ihrer Sprechweise nicht, und ihre Angesichter erschrecken mich, und ...«
Er wartete. Dann, als sie schwieg, warf er schüchtern ein:
»Du bist ungeduldig.«
»Ja, vielleicht«, sagte sie müde, »aber ich glaube an die Wahrheit der ersten Eindrücke, und sich gewaltsam gegen die innere Stimme zu wehren, hat bei mir niemals zum Guten geführt.«