»Mich trifft hart, was du sagst«, antwortete er ihr, »als wäre ich dir nichts, als könnte ich dir nichts erleichtern und nichts vertraut machen.«
Wie eifrig hatte sie sonst solchen Zweifeln und Anklagen seines Herzens widersprochen. Jetzt nahm sie sie hin, als habe er eine bittere Wahrheit ausgesprochen.
Und obgleich sie nicht abließ zu weinen, er sah in ihren großen ruhigen Augen die Tränen langsam kommen und fallen, fuhr er um manches weniger herzlich fort:
»Vielleicht ist dein Zustand an vielem schuld ...«
Er stockte. Wir schweigen beide beharrlich über das, was uns in Wahrheit bedrückt, wußte er plötzlich, mit einer heißen Welle von Blut, die ihm in die Schläfen drang und stürmisch pochte. Er sammelte Mut, den Namen zu nennen, über dessen Klang hin sie einzig sich auf alte Art des Vertrauens finden konnten, aber sein Stolz hinderte ihn, da er dem Recht seiner Liebe zu seinem Weibe nicht Gewalt antun wollte. Er hätte sich als klein empfunden, wenn er sie über Dinge beruhigt hätte, die ihr keine Befürchtung bringen durften. Mochte sie sprechen, wenn es not tat. Dabei betrachtete er ihre Tränen, die das Tuch ihres Bettes näßten, und schwieg, eigenwillig und traurig und mit seinem ganzen Wesen plötzlich dorthin versetzt, wohin er seine Gedanken nicht schicken wollte.
»Ich kann nicht«, sagte sie mit Zittern, als hätte sie alle seine Gedanken und Besorgnisse erlauscht, »sprich doch! Wie hätte ich vorhaben können, dich zu betrüben. Sprich doch von ... ihr. Sie ist den ganzen Tag kaum von deiner Seite gewichen, warum sprichst du nicht von ihr? Was hindert dich daran? Konnte dich kränken, daß ich heute darum bat, du möchtest sie fortschicken?«
»Nein«, sagte er, »ich habe nicht absichtlich von ihr geschwiegen, ich glaubte nur, bei deiner Abneigung gegen die junge Dame sei es besser, die Sache vorläufig ruhen zu lassen.«
Sie fuhr empor und drängte ihn zurück.
»Das ist nicht wahr, das ist nicht alles! Oh, nun erst bin ich traurig. Ich habe gesehen, wie du in ihr Gesicht geschaut hast, ich habe mit jedem Wort, das dich von ihr traf und das du ihr entgegnetest, empfunden, wie sie auf dich wirkt. Eine Abneigung, sagst du, hätte ich gegen sie? Oh, es ist viel mehr, ich habe ein Grauen vor diesem schönen kalten Wesen, ich friere und zittere, wenn sie spricht, ihr Lachen nimmt mir den Atem. Alles an ihr ist lieblos und herzlos, sie sinnt einzig auf ihren Vorteil und auf ihren Genuß, und jedes Mittel ist ihr recht, ihn zu erreichen.«
»Nicht, nicht doch«, bat er erschrocken, »nicht heute, nicht jetzt, denke daran, daß alle Erregung nicht allein dir schaden könnte. Sie soll fort, ich will es dir versprechen, aber noch kann es nicht sein. Ich bedarf ihrer. Ich habe erfahren, daß sie als Vertraute des Oheims ...«