Sie half ihm mit ihrem ernsten Gesicht, das einen Ausdruck von kindlicher Geschäftigkeit bekam. Dann gab sie ihm einen gelinden Stoß, und als die Tür sich nun öffnete, stand sie wieder vor dem Spiegel und steckte ihr Haar, das im Kerzenschein in seltsam bösen und unschuldigen Lichtern flimmerte. Sie sah im Glas, daß Melchior mit einer Miene von eiserner Dummheit halb im Rahmen der Tür stand und die Klinke hielt.
»Ah, Melchior«, sagte sie leise, ohne den Kopf zu wenden, »morgen gehst du, hast du verstanden? Mittags bist du über alle Berge und läßt dich nie mehr in Wartalun sehen.«
Er antwortete nicht. Als sie sich umdrehte, stand Graf Helmut hinter ihr.
»Was bedeutet dies alles?« sagte er mit erhobener Stimme, die jedoch merklich zitterte. »Wo ist meine Frau?«
Da stolperte Melchior vor ihn hin.
»Herr ... ich bin im Dienst in diesem Haus ergraut. Lassen Sie nicht zu, daß mir Unrecht geschieht.«
Afra wandte sich langsam völlig um und sah Helmut abwartend an, mit fest geschlossenen Lippen und kalten Augen, in einem eigenen Trotz der Erwartung, der doch im Grunde Sicherheit war.
»Gehen Sie hinaus«, sagte der junge Herr zu Melchior.
Afra schob Martin hinter dem Alten her, der fassungslos gehorchte. Ehe sie die Tür ganz geschlossen hatte, fuhr es Graf Helmut unbeherrscht und in großer Erregtheit heraus:
»Afra, das geht zu weit. Ich bestimme in diesem Haus. Laß mich mein Vertrauen nicht bereuen. Hüte dich, leg mir nicht als Schwäche aus, was Gerechtigkeit war, zwing mich nicht zu Handlungen, die mich schänden.«