»Verbrenn dir die Finger nicht«, sagte Helmut in einem Tonfall, der seinen Worten eine Bedeutung, über die Augenblickssorge hinaus, verlieh.
Er atmete auf, als sie nach einer kleinen Weile im Abendsonnenschein auf der Terrasse standen. Friedel griff den Gedanken einer nächtlichen Feier mit Begeisterung auf, und Helmut ließ sich bereitwillig mitreißen. Es war ihm ein beglückender Gedanke, für Stunden einmal wieder Vergessen zu finden und den verschollenen Klang seiner ersten Jugend heraufzubeschwören. Daß er nicht eher darauf gekommen war!
»Melchiors Verschwiegenheit ist schon beinahe Diebstahl«, meinte er.
Friedel lachte.
»Wenn man den Kerl sieht, hat man das Gefühl, als wandele das böse Gewissen als Gespenst über die Erdkruste. Halb Beichtvater, halb Erbtante, schlumpt er umher und ist auf Moral aus. Dabei strömt er einen Modergeruch aus, daß alles verschimmelt, was er anglotzt. Läßt sich sowas nicht pensionieren?« Friedel geriet in heiligen Eifer, gleich darauf verlangte er von Melchior eine Weinkarte.
Der Alte wandte sich an Helmut:
»Es ist ein Verzeichnis da, Herr Graf.«
Diese Aufstellung entzückte Friedel bis zu Tränen.
»Weißt du, Helmut, dein Graf Konstantin, dein Onkel, oder war es nicht dein Onkel, jedenfalls war er ein Heros auf dem Schlachtfeld edelster Genüsse.«
»Fängst du auch an ...« sagte Helmut unbeherrscht.