Und eine Stunde verrann — zwei Stunden ... Plötzlich draußen auf dem Flur die Stimmen der heimkehrenden Familie Buchner. Valentin lauschte angestrengt ... Ob sie ihn denn nicht noch zu sprechen wünschte? Ihm zu danken für die ... glückliche Lösung, die sein Eingreifen doch herbeigeführt?
Und wirklich — es pochte an seine Tür ...
»Herein!«
Mutter Kanzleirätin stand auf der Schwelle. Ein wenig rot und verlegen ... In der schleifenbesetzten Kapuze, dem altmodischen Abendmantel, genau wie gestern, als er sie aus dem Wagen gehoben ...
»Sie wär'n entschuld'gen, Herr Pilgram — hier is Sie nämlich ä Briefchen von meiner Tochter ...«
Ein — Brief? Und warum konnte sie denn nicht selber —?!
So deutlich stand diese Frage in des jungen Mannes starr aufgerissenen Augen, daß Frau Buchner die unausgesprochene beantwortete:
»Nämlich, Se dürfen's ihr nich iebel nähm', selber kann se's Ihn' nich sagen, sie is Ihn' nämlich gar zu sähre angegriff'n von der Vorstellung ... Gut Nacht, Herr Pilgram, wünsch' gute Ruh ...«
Und hastig war die massive Gestalt aus der Tür ... Nur der Brief blieb zurück, lag weiß und fremd auf dem fleckigen, grellgemusterten Tischtuch.
Mit einem bitteren Geschmack auf der Zunge nahm Valentin das Kuvert und studierte die großen, fahrigen Züge der Aufschrift: