Da leuchteten die ermüdeten Augen der abgejagten Schar wieder hell auf. Das hatte ja nur noch gefehlt, das Kostüm, das vollendete die Verwandlung, das brachte das Letzte an Stimmung, was noch fehlte ... Und während die Gruppen zwei bis sieben sich plaudernd und lärmend in dem dunklen Hintergrunde des schwarzgähnenden Bühnenraumes verloren, kletterte Gruppe eins unter Führung des Inspizienten lachend und prustend die hallenden Steintreppen hinauf, um droben das Eisengewand der Pappenheimer anzulegen.

Hans Thumser hatte sich vergebens den Kopf zerbrochen, weshalb wohl der Korpsbruder so maßlos gereizt auf ihn sein könne. Himmel ja, er hatte ihn ja unverantwortlich vernachlässigt in der letzten Zeit — aber schließlich war das doch kein Grund, ihn dermaßen hundemiserabel zu behandeln. Na, man würde nochmals um Entschuldigung bitten, und dann müßte der arme Kerl doch schließlich Vernunft annehmen. Also, wo steckt er denn bloß?

Gruppe sechs — wo ist Gruppe sechs? jawohl — alles durcheinander gewürfelt, alles wie verschluckt von der schwarzen Finsternis dahinten jenseits des Prospekts.

Hans Thumser drängte sich durch die Gruppen der »Kürassiere«, rief hin und wieder halblaut Pilgrams Namen, aber umsonst, der Freund ließ sich nicht sehen — schließlich postierte er sich unten an der Treppe, die zur Rüstkammer hinaufführte. Aber selbst als Gruppe sechs, der er angehörte, vom Inspizienten zum Empfang der Rüstungen geführt wurde, war Valentin Pilgram nicht darunter. Es schien, er wolle sich nicht sehen lassen ... und schließlich konnte Hans das am Ende begreifen: er war eben böse, weil Hans ihn so schnöde vernachlässigt hatte. Nun, das ließ sich am Ende nachholen ...

Und mit ganz wunderlichen Empfindungen ließ sich auch Hans Thumser den rasselnden Eisenharnisch der Pappenheimer Kürassiere um die geschmeidigen Glieder schnallen. Es war ja nur Spiel, nur Mummenschanz — und doch, welch sonderbare Macht lag in diesem starren Eisengewand, lag überhaupt im Kostüm! Hans meinte ordentlich zu fühlen, wie er ein anderer wurde, wie schlichte, rohe und starke Gefühle aus jahrhundertfernen Tiefen sich an die Oberfläche seiner Seele drängten, wie er verschmolz mit der gepanzerten Schar seiner Gefährten ...

Und nun hinunter! Die matt erhellten Korridore, der stockfinstere Raum hinter dem Prospekt war nun von geheimnisvollem Rascheln und Klirren erfüllt. Es war, als sei der Geist der Wallensteinschen Soldateska über die

ganze junge Schar gekommen: rauher und härter klangen die Stimmen, derber und knapper die Scherze, das Gelächter.

Und von neuem begann die Probe. Teufel! war das schwer, sich in diesem niederwuchtenden Gewand, in den kolossal steifen Stulpenstiefeln zu bewegen, den mächtigen Pallasch mit dem breit ausladenden Stahlkorb nicht zwischen die Beine zu bekommen! Und nun gar die Treppen hinauf, hinunter! Da verhedderte sich mancher in den handlangen stählernen Sporen, stolperte, krachte zu Boden und mußte schwerfällig, wie eine Schildkröte, von den Kameraden aufgerichtet werden.

Und unten auf dem Podium inmitten des Schloßsaales stand Franz Burg und hielt sich beide Seiten vor Lachen ... und neben ihm im Halbkreis gruppiert: Thekla, Terzky, Illo, Buttler, Max Piccolomini — und alle lachten sie sich schier zu Tode über die stolpernde, prustende, schwitzende Kürassiergarde.

Und doch, allmählich klärte sich auch dies neue Chaos. Und endlich sagte Franz Burg: