Da wurde es Hans Thumser klar, daß er wieder mal mehr Glück als Verstand gehabt hatte ...
Noch eine weitere halbe Stunde voll schwitzenden Bemühens — dann war's geschafft. Und nun harrte der Student am Bühnenpförtchen seiner Göttin. Er drückte sich in den dunklen Schatten der Donnermaschine und ließ den Schwall der Geharnischten an sich vorüber strudeln. Und endlich kam sie — kam nicht allein, sondern am Arm der majestätischen Kollegin Frau Anna Cederlund, welche die Gräfin Terzky spielte. Im ersten Augenblick verließ den Studenten der Mut ... Als aber die beiden ragenden Frauengestalten an ihm vorüberschritten, ohne ihn zu bemerken, da sprach's in ihm: Sei kein Narr! Und er schoß aus seiner Finsternis hervor, daß die Frauen ordentlich zusammenschraken.
»Gnädigste haben mich zu sprechen befohlen!«
»Ah, sieh da, Herr Dummerle! Nun? Was macht die Poesie? Gestatten Sie, Annerl — Herr Studiosus Dummerle, dichtet — hat immer die Nase in der Luft und purzelt deswegen mit Vorliebe die Treppen hinunter — meine Kollegin, Frau Cederlund. Ja, also was fang' ich nun mit Ihnen an? Wissen Sie was? Sie könnten ja auch mal zu mir zum Tee kommen — wollen Sie?«
»Darf es heute sein?« antwortete Hans Thumser.
»Aber warum denn nicht? Also um fünf — soll's gelten?«
Hans Thumser konnte sich nur stumm verneigen — tief, tief auf die schlanke Hand, die sich ihm entgegenstreckte — und dann war's vorbei ...
Und wie ein Begnadeter stolperte Hans Thumser die hallenden Steintreppen zur Rüstkammer hinauf, um sich aus einem Pappenheimer wieder in einen Fuchsmajor zu verwandeln. Zwei Minuten aber, nachdem das Eisenpförtchen, das vom Bühnenraum zum Garderobenumgang führte, hinter ihm zugeklappt war, löste sich aus dem Dunkel der Kulissen noch eine zweite Kürassiergestalt los. Die einsame Glühbirne, die am Inspizientenpulte brannte, beleuchtete ein finstres, verzerrtes Jungmännergesicht unter dem tiefschattenden Doppelschirm der Sturmhaube: es war das Gesicht des weiland Ersten der Franconia.
11.
Asta Thöny war ein wenig eingenickt nach dem bescheidenen Mittagsmahl, das Frau Wehe ihr aufgetischt. Nun fuhr sie empor, flog ans Fenster, steckte den glühenden Kopf hinaus und klatschte jubelnd in die Hände, als sie die ersten Schneeflocken durch das mürrische Grau der Sophienstraße wirbeln sah ...