Köstlich! köstlich! Würde das ein fröhliches Streifen werden mit dem geliebten Jungen durch dies wattige Weiß hindurch an der graulich gurgelnden Pleiße entlang! Sie wußte, wie gut ihr die prachtvolle Sealskingarnitur stand, das splendide Andenken ihres Rittmeisters in Gera ... Und nun schmückte sie sich nach Herzenslust für den Leipziger Freund. Ob er wohl schon daheim war? Sie klopfte an die Wand — keine Antwort. Na, er würde schon nicht auf sich warten lassen, um vier Uhr hatte er ja versprochen sie zum Spaziergang abzuholen. — Aber es wurde vier — und kein Hans Thumser! Na, vielleicht war er schon längst zu Hause und lag drüben auf seinem Kanapee in den geliebten Nachmittagsschlaf versunken. Sie hatte eine Tüte Pralinees für ihn gekauft, sie kannte seine schwache Stelle. Die steckte sie in die Jackettasche, hüpfte zur Tür hinaus und pochte an die seine; da keine Antwort kam, klinkte sie auf — und richtig — da lag er auf dem Sofa, lang hingestreckt, in Hemdsärmeln, das blinkende Korpsband über der Weste. Auf Zehen schlich sie heran und hielt ihm die duftende Tüte unter die Nase. Da schlug er blinzelnd die Augen auf, lachte sie fröhlich an und breitete die Arme aus — mit einem leisen Jauchzen warf sie sich hinein.
Nachdem sie sich satt geküßt, richtete sie sich stramm auf und befahl:
»So, nun antreten zum Spaziergang!« (Die militärischen Allüren ihrer jüngsten Vergangenheit saßen ihr noch in den Gliedern.)
Aber statt des erwarteten Entzückens trat in Hans Thumsers Züge plötzlich eine peinliche Befangenheit, und ein Erröten stieg ihm langsam in die Augen.
»Nun, was ist Dir?«
»Liebes Kind, ich bin trostlos ... Spaziergang ist nicht.«
»Was ist das? Was fällt Dir ein!«
»Ja ... ich ... ja ... ich ... es tut mir entsetzlich leid ... aber ... wir haben heute nachmittag C. C. ...«
»Das ist abscheulich, Hans! Wie kommt denn das, was ist denn los?! Und ich hatte mich doch so gefreut, habe mich so hübsch für Dich gemacht, das hast Du Ungeheuer überhaupt noch gar nicht bemerkt!«
»Ob ich das bemerkt habe! ... aber — es tut mir riesig leid, Du weißt, das Korps spaßt nicht.«