»Es ist gut — sagen Sie's Herrn Thumser — er mag hinausgehen.«
Mit scharfen Blicken verfolgte Volkner den Gang des Korpsdieners, der sich nun mit so lächerlicher Behutsamkeit, als tripple er auf Eiern, hinter den Stühlen seiner Herren entlang zum Fuchsmajor schob und auch diesem seine Botschaft zuraunte:
»Entschuld'gen Se, Herr Thumser — da draußen is Sie nämlich der Herr Pilgram — der läßt Ihn' bitten, ob Se nich mächten so freindlich sinn und gomm'n een Augenblickchen auf'n Flur — er hat 'n ä wicht'ge Mitteilung zu machen!«
Ganz deutlich sah Volkner, wie Thumser zusammenschrak, hastig aufsprang, einen Augenblick nachsann, dann mit einem fragenden Blick die Erlaubnis erbat, die Kneiptafel zu verlassen. Nachdem Volkner Gewährung genickt, bat Thumser den ihm zunächst sitzenden Korpsburschen, ihn in seinem Amt als Vorsitzender der Fuchsentafel eine Weile zu vertreten. Dann raffte er sich zusammen und schritt aufrecht, doch blaß, mit zusammengezogenen Brauen zur Tür hinaus.
Als er mit dem Korpsdiener durch das anstoßende Konventszimmer schritt, flüsterte der Alte ihm zu:
»Se missen nämlich wissen, Herr Thumser, es is Sie schon vor eener Viertelstunde eene sähre hiebsche, junge Dame dagewesen und hat mich gefragt, ob der Herr Pilgram mächte uff der Kneipe sinn. Nu, da hab'ch ihr natierlich nur kennen sagen, daß der Herr Pilgram ieberhaupt nich mehr wirde uff Kneipe komm' — und da is se denn wieder abgemacht. Ich kann Ihn' nur sagen, Herr Thumser, sähr ä hiebsche Dame is es gewesen! Nobel, püh, ich kann Ihn' sagen, Herr Thumser —!«
Hans Thumser war einen Augenblick stehengeblieben. Wirre Vermutungen schossen hin und wider. Pilgram —? Und eine Dame, die nach Pilgram fragte? Was für unwahrscheinliche Begebenheiten — auch nicht den Schimmer eines Verständnisses fand Hans.
Wer konnte die Dame sein, die Pilgram auf der Frankenkneipe vermutete —? Was wollte Pilgram von ihm selber —?!
Nun — man würde ja hören ... Und abermals straffte Hans den Nacken und öffnete die Tür zum Korridor.
Herzklopfend, von Glut und Frost hin und wider geschüttelt, war Asta Thöny vor dem Cafébaum aus der Droschke in den weichen Schnee gesprungen, der nun schon fußtief Bürgersteig und Fahrdamm der schmalen Gasse überzog. Ob ihr Retter wohl schon drüben sein mochte?