In langen Güssen kollerte der erste Ganze in die zechbereiten Mägen, rasselnd wirbelte der Salamander und endete mit einem krachenden Aufklappen aller Gläser auf die massive Eichenplatte der Kneiptische.
»Silentium!« klang da wieder die Stimme des Präsidenten: »Wir singen als erstes offizielles Lied auf Seite 159: Brüder, zu den festlichen Gelagen ...«
In rauhem, taktfestem Unisono schwoll das Lied durch den niedern Raum, in dem das Brandopfer der Pfeifen und Zigarren sich mystisch über der Sängerschar emporkreiselte:
»Brüder, zu den festlichen Gelagen
Hat ein guter Gott uns hier vereint,
Allen Sorgen laßt uns jetzt entsagen,
Trinken mit dem Freund, der's redlich meint.
Da, wo Nektar glüht,
Holde Lust erblüht,
Wie den Blumen, wenn der Frühling scheint.«
Und Hans Thumser fühlte beglückt, wie die dumpflastende Beklemmung der einsamen Spätnachmittagstunden von ihm abfiel, und in grimmigem Behagen stürzte er sich hinein in den schäumenden Strudel des Gelages, spürte, wie alles, was ihn so im Tiefsten erschüttert, verschwamm, versank, verflog — und nichts mehr war, als der tolle Rausch der Stunde.
»Füchse! Ich komme Euch den elften und zwölften Halben!«
»Lasset nicht die Jugendkraft verrauchen,
In dem Becher winkt der goldne Stern!
Honig laßt uns von den Lippen saugen,
Lieben ist des Lebens süßer Kern!
Ist die Kraft versaust,
Ist der Wein verbraust,
Folgen, alter Charon, wir Dir gern!«
— so verscholl das hellaufrauschende Lied ...
»Silentium — schönes Lied ex! Ein Schmollis den Sängern!«
Da trat der Korpsdiener ein. Das glänzende Bemmchengesicht verstört, fassungslos. Er schlich sich zu dem ragenden Stuhl des Ersten heran, flüsterte mit vorgehaltener Flosse seinem jungen Herrn etwas ins Ohr, das diesen stutzen und auffahren machte. Einen Augenblick sann Volkner nach — dann flüsterte er dem Korpsdiener zu: