Volkner, der Senior, hatte geschwatzt: er war Hans Thumser begegnet, als dieser mit einem mächtigen, seidenpapierumhüllten Rosenstrauß in das Haus Katharinenstraße zweiundzwanzig hineingegangen war. Daß dieser Besuch nicht etwa dem früheren Korpsbruder Pilgram gegolten habe, das hatte der Blumenstrauß verraten. Wo also konnte Thumser gewesen sein als bei Jucunda Buchner? Halb mit Ulk und halb mit Neid empfing man den Glücklichen. Der Name Jucundas war ein bißchen verdächtig von dem Fall Pilgram her. Obwohl der weiland Senior sich bei den Besuchen der früheren Korpsbrüder hartnäckig über seine Beziehungen zu der Diva ausschwieg, hatten die Korpsbrüder doch allmählich herausbekommen, daß jenem sein ritterliches Eintreten für das gekränkte Mädchen wenig Dank eingetragen hatte ...

Sich mit Jucunda Buchner einzulassen, das hatte also beinahe schon einen Beigeschmack von Komik und drohendem Hereinfall ...

Und dennoch ... der Duft des Lorbeers, der eine ganze Stadt berauschte, zog wie lichter Weihrauchdunst auch durch die Hirne, welche die grünen Mützen bedeckten ...

Der Schwall der Neckereien, die sich über Hans Thumser ergossen, ging ihm heiß in das siedende Blut — immer wilder schwoll die sinnlose Saufstimmung in ihm empor.

»Füchse, ad loca!« brüllte er und nahm am unteren Ende der Kneiptafel Platz, auf dem hochlehnigen Stuhl, der in Eichenschnitzerei die Märchengestalt eines aufrechtstehenden Fuchses zeigte, in Cerevis, Couleurband und Kanonenstiefeln, den Vorderlauf mit einem Schläger bewehrt. Und um ihren jungen Herrn und Meister zur Rechten und zur Linken scharte sich die Fuchscorona, sieben junge Bürschlein, darunter vier Krasse, die erst seit ein paar Wochen der Zucht ihres Schulmeisters entronnen waren, um der noch viel gestrengeren des Fuchsmajors zu verfallen — und drei Brander, Wangen und Nasen schon mit den ersten Dokumenten bewährten Mensurschneids verziert.

»Füchse, ich komm Euch den ersten und den zweiten Halben!« rief Hans Thumser und schüttete das volle Glas hinunter, das der Korpsdiener vor ihn hingesetzt.

Gleichzeitig beschied auch der Senior Volkner alles, was der Fuchtel des Fuchsmajors bereits entwachsen war, an das obere Ende der Kneiptafel: die Korpsburschen, die Inaktiven der Kartell- und befreundeten Korps, die sich in Leipzig studienhalber aufhielten und beim Korps verkehrten, und einzelne Alte Herren aus der Stadt, die sich dann und wann zu den Zusammenkünften des Korps einfanden.

Und nun entwickelte sich das altvertraute Bild: von allen Wänden schauten die Wappenschilder, die gekreuzten Fahnen und Schläger, die Ehrenhumpen und silberbeschlagenen Trinkhörner, die zahllosen jahrzehntealten Gruppenbilder, Silhouetten, [Porträte] der einstigen Mitglieder des Bundes auf die zechende und lärmende Schar herunter.

Mit zeremoniellem Anstand erhob sich der Erste:

»Silentium! Wir trinken zur Eröffnung einer fidelen, offiziellen Kneipe unser Glas in Gestalt eines Schoppens Salamander! Ad exercitium salamandri — eins, zwei, drei!«