Die Zucht vieler Semester, die eiserne Disziplin des Korps rief Pilgram zur Besinnung zurück.

»Du hast recht, Volkner,« sagte er. »Habt die Freundlichkeit mich loszulassen ... es wird nichts weiter passieren, verlaßt Euch drauf.«

Und ruhig und gemessen trat er vor den Senior:

»Verzeih mir — ich hatte mich vergessen. Ich denke, Ihr verzichtet wohl alle auf eine weitere Aufklärung ... dafür ist ja das Ehrengericht da.«

»Allerdings,« sagte Volkner, »dafür ist ja wohl das Ehrengericht da.«

»Gut,« sagte Pilgram. »Ich bitte das Korps also nochmals feierlichst um Entschuldigung — ich bin morgen vormittag bis ein Uhr in meiner Wohnung. Guten Abend.«

Alles wich zur Seite. Noch einmal maß Valentin Pilgram mit kurzem Blick der Todfeindschaft seinen Gegner, der schwer atmend, mit rotunterlaufenen Augen, doch völlig gefaßt inmitten seiner Korpsbrüder stand ... schritt zur Tür, riß sie auf.

Da bot sich ein unerwartetes Schauspiel: Auf der Schwelle kniete, tränenüberströmt, zusammengekauert, ein Mädchen im grauen Pelzjackett. Nun sprang sie auf die Füße, starrte mit angstverzerrten Zügen, blöden Blicks in den Korridor hinein, in dem Kopf an Kopf Grünbemützte sich drängten, warf sich dann jählings herum und floh wie gejagt die Treppe hinunter.

Und langsam, schwerfälligen Schritts ging Valentin Pilgram von dannen und ließ die Tür ins Schloß fallen.

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