Asta hatte nicht schlafen können. Das Fieber hatte in dem zierlichen, doch kerngesunden Körperchen rumort — doch der Gedankensturm, der ihr Hirn durchbrauste, der Drang zu leben, zu helfen, ihr armes bißchen Sein dafür einzusetzen, daß nicht unsagbar Entsetzliches geschähe — dies inbrünstige Wollen hatte die heraufbrauende Krankheit niedergeworfen. Und früh um neun schon klopfte sie an Jucunda Buchners Tür.

Frau Kanzleirätin, noch in Nachtjacke und Unterrock, hatte hoch und teuer geschworen, Jucunda sei noch nicht zu sprechen. Asta Thöny hatte sich nicht abweisen lassen.

»Sie wird mir's danken, gnädige Frau!«

Aber Jucunda Buchner dankte nicht.

Aus unruhigen Morgenträumen voll ehrgeiziger Hoffnungen und ahnungsvoller Beklemmungen hatte das Pochen der Kollegin sie aufgeschreckt. Nun saß sie aufrecht im Bett, sehr ungnädiger Laune, kaum, daß sie der Besucherin einen Stuhl anbot. Sie liebte es nicht, sich unvorbereitet überraschen zu lassen.

Mit fliegenden Worten berichtete Asta: ihren Spaziergang an der Pleiße verschwieg sie allerdings, um so genauer aber erzählte sie von dem Renkontre zwischen Pilgram und Thumser auf der Frankenkneipe und sparte nicht an grellen Farben. Sie war überzeugt gewesen, Jucunda würde alsbald um Hans Thumsers willen mit allen Anzeichen des Entsetzens aus dem Bette springen und Hals über Kopf zu dem Geliebten wollen, um ihm nicht von seiner Seite zu weichen, bis die Gefahr an ihm vorübergegangen war ...

Statt dessen sah Jucunda sie stillschweigend mit spöttisch zusammengebissenen Lippen an, als sie hocherglühend ihren Bericht geendet.

»Nun?« fragte Asta ganz erstaunt.

»Mir fällt etwas auf an Deiner Erzählung, liebes Kind,« sagte Jucunda. »Du erzählst mir da von einem Auftritt, der sich auf der Frankenkneipe zugetragen hat ... und zwar wenn ich recht verstanden habe, hast Du nicht nur vom Hörensagen berichtet, sondern Du warst selber dabei gewesen — stimmt's oder stimmt's nicht?!«

Astas Wangen, vom heftigen Gang durch den Schnee gerötet, glühten noch höher auf.