Ein Tattergreis, der hastig Hose und Rock über sein Nachtgewand gezogen, mit wirrem Graukopf und schlampigen Pantoffeln empfing sie, bösartig knurrend, und war nur durch etliche Markstücke so weit zu bezähmen, daß er sie bei der schwankenden Beleuchtung einer schwelenden Handlaterne bis zum dritten Stock hinaufbegleitete, wo ein Porzellanschild mit der Aufschrift »Pilgram« an einer breiten, mit Vorhängen abgeblendeten Glastür den Eingang wies.

Drinnen alles finster.

Wahnsinnige Situation! Aber was half's! Die Klingel schrillte, und zu Astas freudiger Ueberraschung erschien schon nach wenigen Minuten ein verschlafenes Dienstmädchen, das entsetzt zurückprallte, als es der fremden, eleganten Dame ansichtig wurde.

Die Herrschaften seien in Gesellschaft, würden aber wohl bis ein Uhr wieder zurück sein ...

Den unbekannten Besuch in die Wohnung einzulassen, dazu war das Mädchen nicht zu bewegen, und so mußte Asta unter Führung des Tattergreises abermals die drei Stiegen hinunter, um draußen auf der ganz verlassenen Straße in Schlamm und Tauwind auf und ab zu patrouillieren, wie sie abends vorher im Schnee auf der Kleinen Fleischergasse auf- und abpatrouilliert war ...

Endlich nach einer Stunde Wartens nahten von der Altstadt her vier vermummte Gestalten: ein Herr im Zylinder, den Rockkragen hochgeschlagen, und drei Damen, eine kugelrunde und zwei schlanke, hochgewachsene, in Abendmänteln und Kapuzen.

Im Augenblick, als der alte Herr den Schlüssel einschob, um zu öffnen, trat Asta auf ihn zu:

»Um Verzeihung! Ich habe wohl die Ehre, Herrn Präsidenten Pilgram ...«

Der alte Herr richtete sich aus seiner gebückten Stellung auf, stand völlig verblüfft, musterte die Fragerin.

Im selben Augenblick sah Asta durch goldgefaßte Brillengläser hindurch zwei scharfe, klare Augen mit durchdringendem Blick auf sich gerichtet.