Um nicht mit dem Wagen zusammenzutreffen, war er vom Fahrdamm abgebogen, auf den Reitweg hinüber, auf dem um diese Morgenstunde noch keine Begegnung zu befürchten war. Er sah nicht die Pracht des jungen Tages, fühlte nicht die Schönheit des Daseins, die ringsum tausend Wunder winterlicher Herrlichkeit erblühen ließ. Er fühlte nichts als seinen Haß — sah nichts als die Gestalt des Gegners, wie sie nun gleich vor ihm stehen würde, ein sicheres Ziel dem stählernen Druck seiner Hand, dem unbeirrbaren Blick seines Auges.
Da ließ ein Geräusch ihn aufschauen, ein Geräusch, das rasch sich näherte. Pferdegetrappel war's, gedämpft durch den Schnee — nur wenn die Hufe ab und an gegen die harte Eiskruste stießen, die den Boden überzog, dann gab's einen klirrenden Ton. Der hatte ihn geweckt.
Da vorne, in den silbernen Nebeln, die noch über der Pleißeniederung lagerten, tauchten, schattenhaft abgehoben vom umgoldeten Himmel, zwei Reitersilhouetten auf: ein Herr und eine Dame. In raschem Trabe näherten sich die schnaubenden Gäule.
Valentin Pilgram konnte keines Menschen Blick ertragen in diesem Augenblick. Er trat rasch hinter den mächtigen Schaft einer Eiche und ließ die Reiter vorüberflitzen. Im letzten Augenblick erkannte er sie: es waren Jucunda und der Erbprinz.
Es war ihm, als hätte er einen Stoß vor die Brust erhalten. Er taumelte, starrte ein paar Sekunden wie ein Blödsinniger hinter den enteilenden Schatten her. Noch klang Jucundas übermütiges Lachen, des Prinzen näselnde Stimme in sein Ohr:
»... mal sehen, ob der Generalintendant meines alten Herrn für ein Gastspiel in diesem Winter ...«
Das waren die Worte, die er aufgefangen ...
Ha ha! — ha ha ha ha ha —!! Das also war das Ende! Darauf lief es hinaus!
Während er zum Todesgange schritt mit jenem andern, der ihm der Glückliche gewesen war bis zu diesem Augenblick ... In derselben Stunde ... pfui Deubel! pfui Deubel!
In dumpfer Betäubung trottete er weiter.