Thumser hatte seinen Paletot abgelegt und stand mit offenem Jackett, über der Weste blitzte das grün-gold-rote Band.

Und dahin sollte man nun zielen, dahin das Todesblei entsenden?!

Und doch, es gab kein Zurück ... Und ob er wollte oder nicht, die grausame Farce mußte nun mit Anstand zu Ende gespielt werden ...

Und rasch und vorschriftsmäßig wickelte sich nun der Gang der Dinge ab. In genauestem Anschluß an den Wortlaut des Komments wurden nun die Plätze bestimmt, so daß das Licht gleichmäßig verteilt war; wurden die Waffen geladen, die Duellanten instruiert. Der Unparteiische schritt selber mit Riesensätzen seiner langen Storchbeine die Barriere ab und bezeichnete sie durch zwei niedergelegte Spazierstöcke, hüben und drüben. Noch zehn Schritt weiter jenseits wurden durch Kreuze, die in den Schnee geritzt wurden, die Plätze für die Duellanten festgelegt, die sonach durch fünfunddreißig reichlich bemessene Schritte voneinander getrennt waren.

Zuletzt nahmen die Sekundanten ihren Fechtern noch Brieftasche, Uhr und Geldbörse ab und geleiteten sie dann zu ihrem Platze. Dort übergaben sie ihnen die Waffen und traten dann jeder zwanzig Schritt zur Seite.

Der Unparteiische nahm seinen Stand zwanzig Schritte seitwärts von der Mitte der Schußlinie.

»Meine Herren!« sprach er mit schallender Stimme, »ich wiederhole noch einmal: ich zähle bis vier. Wenn ich eins! gezählt habe, dürfen Sie avancieren bis an die Barriere, bis vier müssen Sie abgeschossen haben. Herr Thumser, als der Beleidigte, hat den ersten Schuß. — Bin ich verstanden?«

Mit stummem Nicken antworteten die Gegner.

Hochaufgerichtet stand Hans Thumser und sah übers schneeblinkende Feld. Endlos schien ihm die Entfernung, die ihn von dem Feinde trennte. Aber er wußte, daß sie sich rasch verringern würde, zusammenschrumpfen zu einem schrecklichen Aug' in Auge ...

Ein jähes Frösteln rann durch seine Gestalt, kaum konnte er das Klappern seiner Zähne bemeistern, kaum den Hahn der Pistole spannen ... Und nun noch ein Blick in die goldige Morgenwelt hinaus. Ein Blick in die Zukunft, die vor ihm versinken wollte wie der Tau einer Nacht. Und da überfiel ihn eine jähe, ingrimmige Wut auf den, der ihm das alles rauben wollte. Nein, sich wehren ... sich wehren bis zum letzten Atemzug! Ins Herz den Gegner treffen — ins Herz! Wenn einer fallen soll, gut, so sei's der andere!!