»Bitte Platz zu nehmen, meine Herren.«
»Durchlaucht, ich komme im Interesse meines Sohnes Valentin, den Sie kennen!«
»Ich habe die Freude.«
»Durchlaucht wissen, daß mein Sohn aus dem Korps Franconia ausgetreten ist, um Ihnen gegenüber für eine Dame eintreten zu können, von der er annahm, daß Sie, Durchlaucht, ihr — —«
»Hm ...« machte der Erbprinz, »ich weiß.«
»Durchlaucht haben die Güte gehabt, diese Angelegenheit in ritterlicher Weise beizulegen. Trotzdem hat das Korps Franconia aus Rücksicht auf Durchlaucht davon Abstand genommen, meinen Sohn in die Reihen seiner Mitglieder wieder aufzunehmen.«
»Allerdings ...« sagte der Erbprinz. »Das habe ich mir wohl so gedacht — aber wenn ich mir eine Zwischenbemerkung erlauben darf, Herr Präsident: die Geschichte war mir höchst fatal ... und ich habe mich seitdem vom Verkehr bei dem Korps fast völlig zurückgezogen ... Es war mir kolossal peinlich ... verstehen Sie, Herr Präsident?«
»Ich begreife sehr wohl,« sagte der Präsident ruhig. »Die jungen Herren haben wohl eine zu geringe Meinung von Euer Durchlaucht wohlwollendem Verständnis für die korpsstudentische Auffassung gehabt, sonst hätte sich doch wohl ein Ausweg finden lassen, um meinem Sohn die wohlverdiente Ehre der Zugehörigkeit zu dem Korps — zu dessen Alten Herren ich, beiläufig bemerkt, auch selber zähle — wiederum zu verschaffen. Oder täusche ich mich, Durchlaucht?«
»Ne, ne, mein verehrter Herr Präsident. Sie haben in der Tat vollkommen recht ... Wenn's nach mir gegangen wäre ... aber man hat mich ja gar nicht gefragt. Mir für meine Person wär's ja doch zehnmal angenehmer gewesen, wäre die ganze Geschichte diskret behandelt worden. Aber man hatte ja die Sache dermaßen übers Knie gebrochen ... ich stand vor einem fait accompli ... und da hielt ich's für das beste, mich um gar nichts mehr zu bekümmern. Das werden Sie begreifen, nicht wahr, Herr Präsident?«
»Ich begreife vollkommen, Durchlaucht. Ich sehe aber auch, daß ich mich in meinen Vermutungen über Eurer Durchlaucht Ansichten von der Sache in keiner Weise getäuscht habe: und darum komme ich jetzt mit der formellen Bitte, die der Zweck meines Besuches ist: wollen Durchlaucht die große Güte haben, durch meinen Mund dem Korps Franconia mitteilen zu lassen, daß einer Rückgabe des Bandes an meinen Sohn Ihrerseits nichts im Wege steht?«