»Aber mit dem größten Vergnügen, Herr Präsident! Ich bin ja höchst erfreut, daß die fatale Geschichte endgültig aus der Welt kommt ...«
»Ich danke ehrerbietigst für diese Gnade, Durchlaucht. Ich glaube, sie ist an keinen Unwürdigen verschwendet! Da Sie nun aber in so überaus verständnisvoller Weise meinem Vorschlage entgegengekommen sind, so darf ich wohl auch noch eine andere Begebenheit erzählen, die mit der besprochenen nicht ganz ohne Zusammenhang ist, und die glücklicherweise ebenfalls eine Wendung zum Besseren genommen hat?«
Und nun erzählte der Präsident in knappen Worten von dem Renkontre der beiden einstigen Korpsbrüder und seinem blutigen Austrag. Die Motive des Zusammenstoßes ließ er unberührt. Er konnte sich wohl vorstellen, daß der Erbprinz den Zusammenhang auch so durchschauen würde ... und darin hatte er sich nicht getäuscht. Als er geschlossen hatte, erhob sich der Erbprinz und streckte seinem Besucher die hagere Hand hin:
»Ich danke Ihnen, Herr Präsident, Ihre Geschichte soll mir eine Lehre sein ... gewisse Leute sind anscheinend ... äh ... mit Vorsicht zu genießen. Was meinen Sie, lieber Gorczynski? Na, ich werde mir's merken!«
»Gestatten Durchlaucht nochmals meinen ehrerbietigsten Dank.«
»Aber ich bitte, mein verehrter Herr Präsident — nur ich habe zu danken, nur ich ... Sie haben mir einen größeren Dienst geleistet, als Sie vielleicht ahnen. Grüßen Sie Ihren Sohn, oder noch besser: sagen Sie ihm, ich hoffe heute abend auf der Frankenkneipe mit ihm auf gute Freundschaft anzustoßen ... Doch halt! Vorher müssen wir noch einmal ins Theater ... Nicht wahr, lieber Major? Heut ist ja die Abschiedsvorstellung der Meininger, das dürfen wir uns doch nicht entgehen lassen ... Aber nachher, nicht wahr, Herr Präsident, dann treffen wir uns im Cafébaum!«
»Ich hatte gleichfalls vor, das Theater zu besuchen, Durchlaucht, wenn ich mir die Bemerkung gestatten darf — und zwar mit meinem Sohn und unserm Korpsbruder Thumser. Die Verletzung meines Sohnes ist ja freilich nicht ganz unbedeutend: das linke Oberarmbein ist in Höhe des unteren Ansatzes des Oberarmkopfes getroffen, die Kugel ist im Knochen stecken geblieben, konnte aber mit Leichtigkeit entfernt werden.«
»Sehr erfreulich zu hören, Herr Präsident. Also auf Wiedersehen heut abend, nicht wahr?«
Um zwölfeinhalb Uhr fuhr der alte Pilgram am Cafébaum vor, stieg die Stufen zur Frankenkneipe hinan und wurde vom Korpsdiener in das Konventszimmer geführt, wo Franconias Korpsburschen bereits zum C. C. versammelt waren.
Ehrerbietig begrüßte die Schar der Studiosen den Alten Herrn, der sofort beim Eintreten eine grüne Mütze, die der Korpsdiener ihm dargereicht, auf seinen grauen Schädel gestülpt hatte.