Volkner bat Platz zu nehmen und eröffnete den C. C. Er erteilte dem Alten Herrn Pilgram das Wort. Dieser berichtete über seinen Besuch bei dem Prinzen und entledigte sich seiner Mission.
Mit strahlenden Gesichtern vernahmen die Korpsburschen die frohe Botschaft.
Unmittelbar, nachdem der Alte Herr geendigt, sprach der Senior:
»Ich stelle den Antrag, dem früheren C. B. Pilgram, gewesenen Zweiten, Ersten, Ersten das Band zurückzugeben. Wünscht jemand zu dem Antrage das Wort?«
Alles schüttelte den Kopf, aus jedem Auge strahlte helles Glück. Hans Thumser aber schämte sich nicht, daß ihm zwei Tränen über die frischen Wangen rollten. Unfähig jeden Wortes, reichte er dem Präsidenten über den Tisch hinüber die Hand.
Und nun saßen sie im Carolatheater, auf einer der vordersten Parkettreihen. Präsident Pilgram inmitten der beiden jungen Gesellen, zur Rechten sein Sohn: er trug den linken Arm in der schwarzen Binde, fest im Gipsverband verschient, den Rock nur lose über die linke Achsel gehängt, den Aermel leer. Ueber die rechte Schulter aber, über die Weste und die schwarze Binde zog sich das grün-gold-rote Band.
Hans Thumser saß zur Linken. Ueber den alten Herrn hinweg aber schauten die Freunde sich immer und immer wieder in die Augen. Sie fühlten: so hatten sie sich noch nie gehört, so sich noch nie geliebt. Und diese Liebe, die würde nun bleiben fürs ganze Leben ...
Oft aber flogen ihre Blicke auch nach der zweiten Proszeniumsloge des Parketts vorn rechts hinüber. Da saß der Erbprinz, die Scherbe im fahlen Gesicht, und hinter ihm verschwanden die groben Züge, der wehende Schnurrbart des Majors im Dämmer des Logenhintergrundes.
Aber auf den blasierten Zügen des jungen Fürsten lag heute ein seltsames Leuchten, das noch niemand an ihm gekannt hatte. Und wenn sein Blick den Augen des alten und der beiden jungen Franken da unten im Parkett begegnete, dann lachte sein ganzes Gesicht so knabenhaft fröhlich, so jung und gut, als sei auch er ein x-beliebiges junges Studentlein und nicht der Erbe eines deutschen Fürstenthrones.
Ringsum aber drängte sich ganz Leipzig und füllte das Haus bis zum letzten Stehplatz droben auf der Galerie. Eine festlich dankbare Stimmung lag über der erregten Versammlung.