Fünf Wochen lang war dies Haus ein Tempelhaus gewesen. Fünf Wochen lang hatte man hier den höchsten Offenbarungen gelauscht, welche die edelste Blüte der zeitgenössischen Bühnenkunst geschaffen hatte im Bunde mit den erhabensten Genietaten der großen Szenenbeherrscher des Dramas der Weltliteratur. Und nun wollte man am letzten Tage noch einmal mit voller Seele, mit allen Sinnen genießen, wollte in sich aufnehmen die gigantischste Schöpfung der deutschen Tragödie: »Wallensteins Tod«.

Das Spiel begann.

Inmitten der Bilder seiner Gestirne stand der einsam-stolze Mann, über dessen Haupte schon die schwarzen Fledermausschwingen des Verbrechens, die Rabenfittiche des Todes rauschen. Am nächtlichen Himmel suchte er den Stern seines Lebens, der sich nun so bald verfinstern sollte ... Und in raschen, unfehlbaren Schlägen vollzog sich sein Geschick.

Der alte Herr aber da vorn im Parkett und seine beiden jungen Gefährten harrten ungeduldig des Augenblicks, da der Vorhang sich zum dritten Akt heben und die beiden Mädchengestalten auftauchen würden, die so tiefe Furchen in die Herzen, in die Geschicke der jungen Männer gezogen.

Und sieh — nun erfüllte sich's.

Die Gardine rauschte empor; und es erschloß sich ein dunkler wuchtiger Saal mit Kamin, Gobelins, gepolsterten Bänken an den Wänden. Nach hinten stieg eine Treppe empor, im Bogen geschweift aus massivem, dunkelgebeiztem Eichenholz mit schwerem Renaissance-Geländer. Sie führte zu einer langen Galerie, die gegen die Bühne zu von einem riesigen, aus zahllosen kleinen Scheiben bestehenden Glasfenster abgeschlossen war.

Und wie verloren in dem weiten, angstdurchschauerten Raum saßen vorn rechts auf der Bank zwei Frauengestalten mit weiblichen Arbeiten beschäftigt, während eine dritte oben auf der Galerie stand und aus den Fenstern nach drunten spähte — Wallensteins Schwägerin, die Schwester seiner Seele ...

Die zwei da unten aber — die beiden jungen Franken, die kannten sie.

Scheu und wesenlos wie ein gutes, dienstbares Geistlein hockte Asta Thöny als Fräulein von Neubrunn neben der jungen, schönheitsstrahlenden Herrin.

Die aber saß weiß und blaß, den adligen Kopf in schmerzvoller Starrheit zurückgelehnt an die braune Täfelung.