Sie war die Schönheit, die versinken muß unterm erbarmungslosen Schritt des Schicksals, sie war die Tugend, die zermalmt wird von den geifernden Kinnbacken des Verbrechens, sie war die leuchtende Seele des gigantischen Gedichts, sie war ... das Ideal ...

Und alles vollendete sich nun.

Mit unerhörter Wucht stampfte das Fatum daher und ließ den Lügenbau der friedländischen Größe zusammenkrachen. Blatt um Blatt sank hernieder von dem ragenden Baum, bis er einsam stand, entlaubt, doch herrlich in seinem starren Trotz.

Und nun kam jene gewaltigste aller Szenen, die Valentin Pilgram und Hans Thumser als Pappenheimer Kürassiere mitprobiert hatten, und der sie nun als Zuschauer nur lauschen durften, wie damals, als Hans, ein scheuer Primaner, sie zum erstenmal erschaut, dahinten, weit in der Heimat — im Barmer Stadttheater, auf dem Eckplatz des zweiten Ranges.

Zwischen den zwei eisengeharnischten Männern, dem fürstlichen Vater rechts, dem ritterlich prangenden Geliebten links stand das unglückselige, geopferte Mädchen. Vor die grausame Pflicht gestellt, zu wählen zwischen Gehorsam und Liebe.

Und sie wählte den Gehorsam ... Mit den unschuldig reinen Händen riß sie die Liebe aus ihrem Herzen und stieß sie von hinnen ... in den unerbittlichen Schlachtentod ...

War das Jucunda Buchner? War's das junge Ding von achtzehn Jahren, mit dem die zwei schlanken Burschen da unten an einem Tisch gesessen, in einer Stube? Um derentwillen sie heut morgen in der Frühe des leuchtenden Wintertages einander mit der Pistole in der Hand gegenüber gestanden hatten, während sie mit einem gefürsteten Knaben über Feld ritt, nur von dem einen Gedanken erfüllt, ein Gastspiel am Hoftheater in Nassau-Dillingen für den nächsten Winter herauszuschlagen?

Nein, sie war es nicht. Ihre sterbliche Hülle war's! Und doch auch die nicht mehr. Auch die verwandelt, erhöht, durchleuchtet, durchseelt von der geheimnisvollen Flamme, die tief drinnen in ihr loderte, unerklärlich, unbegreifbar ... der heiligen Flamme, die, solange sie loderte, alles überstrahlte, alles verzehrte, alles verklärte, was irdisch, was menschlich, was gewöhnlich, was häßlich war an ihr ...

Horch, schon brandete von draußen der Schwall der Pappenheimer heran ... Schon klang die wilde Feuerweise des Reitermarsches, der zu Kampf und Tode lud ...

Und nun — nun tobte der rasselnde Schwall die Stiegen hinauf, stapfte in die Galerie hinein, daß die Scheiben klirrend barsten, strudelte die Treppe hinunter, überschwemmte in immer erneuten Güssen blinkender Wogen die ganze Bühne ... entblößte Schwerter, haßflammende Blicke ...