»Schön,« sagte Jucunda, »werd' ich mir merken. Passen Sie mal auf, Meister, wie ich jetzt loslegen werde!«
»Aber gefälligst mit einem vernünftigen Stimmansatz, und nicht wieder so aufs Organ loswüsten wie im ersten Akt! Ihnen geht's zu gut, Kindchen, Sie werden mir zu üppig ... In einem Alter, wo andre Kolleginnen froh sind, wenn sie einmal ein Servierbrett mit Kaffeegeschirr hereinbringen dürfen, toben Sie schon abendfüllend durch ganz Deutschland — da muß ja so ein achtzehnjähriger Verstand aus dem Leim gehen ...«
»Ach, lassen Sie mich doch ...« Jucunda reckte den herrlichen Körper, daß alle Niete und Scharniere der Rüstung knackten ... »Lassen Sie mich doch, lieber Freund ... Es ist ja so schön ...«
Franz Burgs Augen schimmerten hinter den grimmigen, rotgrauen Brauen in einem ganz seltsam weichen Licht ... Sie glitten über die schlanke, waffenblanke Gestalt, wie ein Streicheln.
»Schön ist's, das glaube ich — Sie sind eben ein Sonnenkind, Langbeinchen!« So nannte er sie noch immer, aus jener Zeit, wo sie als blutige Novize wegen ihres knabenhaften Wuchses immer die Pagen hatte spielen müssen ... Jetzt freilich wäre das nicht mehr zu machen gewesen — sie war ein Weib geworden ...
»Na also — Sie sind fertig ... Nun halten Sie aber Ruhe, bis Sie geholt werden ... Und nicht zu toll mit dem Organ aasen, verstanden? Adieu, Langbeinchen!«
»Adieu, Sie Bester!«
Ein Blick so voll dankbarer Zärtlichkeit, daß der grimme Talbot rasch das Visier herunterklappte ... Und durch die Augenlöcher klang sein Knurren:
»Also fang'n mer an!«
Er rasselte von dannen. Jucunda warf ihm ein halbes Dutzend Kußhände nach.