»Aber Jucunda!« rief die Mutter ganz entsetzt.
»Ach laß doch, Muttel! Einmal ein Mensch beim Theater, ein einziger, der selbstlos gütig ist — einen lehrt, einem vorwärts hilft, ohne gleich — —«
Der zweite, der dritte Akt waren vorübergebraust, mit Schlachtgetöse und Siegesjubel und Sterbegrauen ... und hatten geendet mit der naiv-gewaltigen Szene, in der Johannas tragisches Geschick sich wendet: der Fluch ihrer übernatürlichen Sendung sich wider sie kehrt. Das Herz der Jungfrau hat mit Entsetzen sein Mädchentum empfunden ...
Große Pause nun — alles strömte hinaus in die schmalen, schlechtbeleuchteten Gänge, das dürftige Foyer des dumpfen winkligen Hauses ...
Und da oben fanden sich die beiden Franken, ihr fürstlicher Konkneipant und sein Erzieher. Die Herren begrüßten einander mit dem gewohnten starr offiziellen Gesicht, dem korrekten Händeschütteln der hoch gewinkelten Arme ... Keiner mochte verraten, wie sehr er gepackt war.
»Ganz nett — wie?« näselte der Erbprinz.
»Na ja ... Aber immer dies ewige eintönige Pathos, das hält kein Pferd auf die Dauer aus!« schnarrte Pilgram.
»Wie fanden Sie die Buchner?« fragte nachlässigen Tones der Prinz.
»Na — mein Himmel — spielt eben Schiller!« erwiderte der Rechtskandidat.
Hans Thumser blieb stumm. Ihm standen Erregung und Entzücken bis an den Hals — die Tränen, die er mühsam hatte unterdrücken müssen, preßten ihm die glühenden Augen. O Gott — so Erhabenes, so Ungeheures erlebt zu haben ... Und dann den gelassenen Weltmann mimen zu müssen mit zwanzig Jahren ... Was war das für eine Jugend? Sie schämte sich aller jugendlichen Empfindungen ... der Begeisterung, des Glaubens an das Große, das Weltbezwingende ...