Als der Triumphwagen endlich in der Katharinenstraße hielt, zog der alte Buchner den riesigen Hausschlüssel aus der Tasche und stieg als erster aus. Ein hundertstimmiger Jubel empfing ihn ...
»Das ist der Vater — Jucundas Alter ist das — Papa Buchner hoch! hoch!«
Ein Dutzend Hände waren ihm behilflich, hoben ihn über die Bordschwelle, ganz betäubt humpelte er durch die Gasse, die sich vor seinen Schritten öffnete, fand die Tür seines Hauses zu seiner Verwunderung bereits geöffnet und schlüpfte hinein, wie erlöst, daß er dem Getös entronnen ...
Und nun schob sich Mama Buchners massives Gestell aus der Droschke.
»Achtung, jetzt kommt Mamachen!« schrien kecke Stimmen. »Platz für Mamachen!« Geblendet vom grellen Licht der Gaslaterne, dicht neben dem finstern Hauseingang, verwirrt vom Stimmengewirr, dem Glanz blitzender Augen, dem Durcheinander winkender Hände, flatternder Tücher verfehlte Mutter Doris mit unbehilflich suchendem Fuß den Wagentritt und wäre gestürzt, hätte nicht ein sehniger Arm sie gefaßt und ihre schwerfällige Gestalt mit sicherem Griff aufs Trottoir, auf die Beine gestellt. Und gleich darauf fühlte sie ihre Hand in diesen sehnigen Arm hineingezogen, fühlte sich sicher und ritterlich der Haustür zugeführt — sah dankbar zu ihrem Beschützer empor und — sah in das verlegenheitglühende Gesicht ihres Mieters ...
»Gnädige Frau —« stammelte Pilgram.
Gnädige Frau —?! Es war das erstemal, daß ihr Student diese Anrede für die Frau Kanzleirätin fand ... sie war direkt erschüttert ...
»Herr Pilgram — nee heer'n Se, das is aber hibsch von Ihn' ...«
»Darf ich Ihnen meinen aufrichtigen Glückwunsch zu dem Riesenerfolge Ihres Fräulein Tochter — gnädige Frau? und zugleich auch meine Bitte um Entschuldigung wegen meines unqualifizierbaren Benehmens von vorgestern morgen —«
»Ach sei'n Se still, Herr Pilgram — scheen war's ja grade nich ... Aber Sie haben's ja gut gemacht ... Also woll'n mer uns wieder vertragen! Aber wo bleibt denn 's Kind?«