Asta Thöny? Nein — den Namen Asta Thöny verzeichnete seine Erinnerung nicht — das mußte wohl ein neues Mitglied sein, schlank und ... duftig wie die Schuhchen, von denen nun, im wachsenden Tageslicht, ein paar Lichtpünktchen aufgleißten aus dem Dämmer des Korridors ...
Aber ein anderer Name stieg nun auf, ein weißleuchtendes Mädchenbild tauchte glorienumstrahlt aus der Tiefe seiner Visionen: Jucunda Buchner, die kaum Sechzehnjährige, die Thekla der Meininger ...
Sie sah er, im dritten Akt der »Piccolomini«, einsam im finstern Schloßgemach, mit der Laute hineingeschmiegt in einen faltenstarren rotsamtenen Vorhang, scharf abgehoben die weiße Gestalt vom riesigen Fenster, durch dessen hundert kreisrunde Scheiben die sternlose Nacht hineinglotzte ... und wie ein Kind im Finstern singt, die Herzensbangigkeit zu betäuben, so verloren, so verlassen, so angstumschauert hatte das junge Weib seine schmachtende Weise vor sich hingelallt:
Der Eichwald brauset, die Wolken ziehn —
Das Mägdlein wandelt an Ufers Grün —
Das Auge von Weinen getrübet ...
Du Heilige, rufe Dein Kind zurück —
Ich habe genossen das irdische Glück —
Ich habe gelebt und geliebet ...
O Erinnerung ... o Ahnung ... o Kunst, du mächtige Weckerin, Vorschule des Lebens, Tummelplatz der werdenden, in Werdeschauern erzitternden Seele —!
Gelebt und geliebet ... und du, junges Studentlein im finstern Korridor — aus dessen Dunkel die weißen Lichtpünktchen glitzern von Asta Thönys Lackschuhchen — —?!
Hans Thumser schrak zusammen. Ihm war's, als hätte er aus weiter Ferne, ungeduldig, seinen Namen rufen gehört ...
Und richtig:
»Thumser! Thumser! Zum Donnerwetter, wenn Du jetzt nicht kommst, fahren wir ohne Dich!«