Ach so ... ach ja ... die Stunde, die heischende ... die Stunde des Burschenkampfes ...

Hans Thumser fuhr auf, reckte sich — kein Abschiedsblick mehr zurück zu den Lichtpünktchen drunten, dem weißen Kärtchen an der Pforte des Geheimnisses — fort — hinaus —!

Er flog die krachenden Stiegen hinunter, der mächtige Haustürschlüssel knarrte im Schloß — und draußen auf der morgenstillen, morgenleeren Sophienstraße empfing ihn ein Durcheinander von Begrüßung und Vorwurf —

»Na, Du Schlafratze — endlich ausgepennt?« zürnte der Senior vom Rücksitz aus. Und:

»Hatten schon alle Hoffnung aufgegeben, Sie noch unter den Lebenden begrüßen zu dürfen!« schnarrte der Major von Gorczynski, dessen kantige Reiterfigur sich noch immer nicht in das elegante Zivil des Prinzenbegleiters eingewöhnen mochte.

Erbprinz Heribert aber, der durchlauchtigste Konkneipant der Franken, zog nur stumm und mit indignierter Miene den steifen grauen Filzhut. Also man ließ warten! na ja, an einer deutschen Hochschule funktioniert der Betrieb nun einmal nicht wie am herzoglichen Hofe zu Nassau-Dillingen ... man mußte Nachsicht üben ...

Mit einem Ruck saß Hans Thumser neben seinem Korpsbruder auf dem Rücksitz, dem Prinzen gegenüber, der ihn durch sein Monokel mit kühl-durchdringendem Blick niederzuschmettern suchte, was ihm freilich nicht gelang.

»Also wenn Durchlaucht gestatten, fahren wir ab!« sagte Valentin Pilgram mit korrektem Gesicht. Er war auch nicht sehr erbaut von der Ehre, einen prinzlichen Mitkneipanten im Korps durch das Semester schleppen zu müssen, zumal einen solchen faden Burschen, der nicht warm wurde unter den Kommilitonen, deren Mütze er wie zum Maskenscherz die wenigen Male aufsetzte, wenn er gelangweilt und verständnislos an den offiziellen Veranstaltungen des Korps teilnahm ... indessen das gehörte nun einmal dazu ...

»Also los, Kutscher und lassen Sie gefälligst die Gäule loofen, sonst fällt der erschte Hieb, ehe wir draußen sind!«

»I herrjemerschnee, Herr Pilgram, das kann Sie ja gar nich passier'n — de Allererschten wär'n mer sein am Platze, da genn' Se sich drauf verlass'n!« ...