»Erlauben Sie mal — Sie sind doch auch was Besonderes ... Erster Chargierter des ältesten und angesehensten Korps in Leipzig ...« Sie wies auf einen Stuhl.
»Gott — gnädiges Fräulein ... Wie können Sie so was überhaupt ... das sind doch Kindereien, wenn man's mit ... mit Ihrer Kunst vergleicht ...«
O Valentin Pilgram — wer dir das gestern prophezeit hätte ... daß du so zu einer Komödiantin sprechen würdest ... daß die Heiligtümer deiner Seele so schnell verbleichen würden ...
»Na, nu nähmt mal gefälligst ä bißchen Platz, Kinder!« rief der Kanzleirat ...
Kinder —?! Es durchfuhr die beiden jungen Menschen ... ein seltsames, ahnungsvolles Gefühl ... Mit einem Male war Jucunda Buchner nicht die glückverwöhnte, reichbegnadete Künstlerin, sondern ein Backfisch von achtzehn Jahren ... und Valentin Pilgram nicht der Sohn des Senatspräsidenten am Dresdener Oberlandesgericht, nicht der Erste Chargierte eines wohllöblichen C. C. der Franconia, sondern ein Knabe von vierundzwanzig, in all seiner senioralen Würde doch noch immer ein junger, lebensunkundiger Novize des Daseins ...
Zwei blutjunge Menschen ... zwei Kinder ... beide gewachsen wie ein paar Tannen, beide jung, stark und heiß ...
»Kinder!« hatte der alte Mann gesagt ... Wie seltsam das die Seele traf ...
Beider Augen waren gesenkt, beider Stirnen glühten, als sie sich setzten ...
Man stieß mit den langschäftigen Gosengläsern an, Jucunda tat einen tiefen, herzhaften Schluck und biß dann nicht minder herzhaft in ihre Butterbemme.
»Donnerkiel!« sagte sie, »das tut aasig gut ...«