»Nee, nee, Herr Pilgram!« sprudelte auch die Frau Kanzleirätin, »das dürfen Se nich machen! Das kenn' wir ja gar nich von Ihn' verlangen! Das dürfen wir ja gar nich von Ihn' annähm'!«

»Seien Sie ohne Sorge meinetwegen!« sagte Valentin und reckte sich zu seiner ganzen Länge. »Ich bin Manns genug, so eine Affäre standesgemäß zu erledigen.«

»Nein, Herr Pilgram, das dulde ich unter keinen Umständen! Wie kämen Sie denn dazu, sich für mich ... ich bitte Sie, was gehe ich Sie denn überhaupt an?«

Da sah der Student das schöne Mädchen mit einem Blick an, vor dem sie die Augen niederschlagen mußte in Schreck und stolzem Machtgefühl zugleich. Gott, war das entsetzlich ... war das berauschend schön ... was sie da so jäh, so unerwartet erlebte ...

»Erinnern sie sich noch an ... gestern abend?« sagte der Jüngling. »Was Sie mir da versprochen haben?«

»Ach ... das war so leichtsinnig daher geredet ...«

»Von mir nicht!«

Ach ... wie süß das war ... dies Bewußtsein, daß ein Starker, ein Kühner sich einsetzt für dich ...

Aber nein ... das durfte nicht sein ... mit Blitzesschnelle flogen die Bilder von hundert schrecklichen Möglichkeiten an ihrem Geiste vorbei. Er war doch wohl Jurist — seine Karriere würde er sich ruinieren — sein Examen zunächst ... und wer weiß — zwar Prinzen — die schlugen sich ja wohl nicht — aber der Major ... ein Offizier ... ein Duell ... Himmel, und der junge Mensch hatte ja doch Eltern daheim ... und schließlich — auch sie selber konnte eigentlich keinen Skandal gebrauchen ... was wohl Franz Burg dazu sagen würde ... und ihr gnädiger, gütiger Herr daheim in Meiningen ...

»Herr Pilgram — das darf nicht sein! Ich bitte Sie, wenn Sie wüßten, wie oft unsereine so etwas erleben muß — wenn man da jedesmal Krach machen wollte! Die Herren haben's ja wahrscheinlich gar nicht so schlimm gemeint — haben sich wohl gar nichts dabei gedacht —«