Geld hatte man ihr zu bieten gewagt ... ihr, die ganz Deutschland vergötterte ... ihr, die vor seinen Augen dastand in so stolzer Reinheit, wie eine Heilige ... die hatte man kaufen wollen wie eine ... wie eine aus den dunklen Gäßchen der Stadt, durch die am hellsten Tage niemand gehen mochte —?! Das forderte Blut — nur mit Blut war das zu sühnen —!

Aber ... du selber, Valentin Pilgram —?

Hm ... ist das nun nicht eigentlich doch ein Narrenstreich? Hat sie nicht doch recht gehabt, als sie sagte: was geh' ich Sie an —?!

O Valentin Pilgram, Rechtskandidat im achten Semester — greif' in deine Brust und frage dich: geht sie dich an — diese — diese da?!

Ja — wenn eine in der Welt, dann geht diese da dich an ... denn, Valentin Pilgram, so närrisch das auch klingen mag ... Du bist ... diesem Mädchen bist du verfallen seit dem Augenblick, als sie durch die Gasse des jauchzenden Volkes vor Karl den Siebenten trat ... und zugleich in dein Leben, Valentin Pilgram, schicksalsgewaltig ... für immer — für alle deine Tage —!

Nun lag vor dem Schreitenden, herbstsonnenübergoldet, der Augustusplatz: zur Rechten flimmerten die Wasser des Mendebrunnens, reckte sich die finsterblinkende Front des Museums; zur Linken stieg in heiterer Anmut der köstliche Bau des Neuen Theaters ins duftige Blau. Dorthin strebte Franconias Senior, denn er wußte zu dieser Stunde das Korps im Restaurant auf der Theaterterrasse zum Frühschoppen versammelt. Vor ihm wanderte noch eine andere grüne Mütze: Pilgram ließ den Frankenpfiff schallen: da fuhr der Kopf unter der grünen Fuchsmütze herum:

»Ah ... Pilgram —«

Ehrerbietig zog das blonde Füchschen vor dem gestrengen Ersten den Deckel und sprang heran.

»Also, Hartwig, geh' zum Frühschoppen und sage dem Fuchsmajor, er möge sofort die Korpsburschen zum außerordentlichen Korpskonvent zusammenbitten! Ich erwarte die Herren im Flügelzimmer des Restaurants — verstanden?«

»Gewiß, gewiß, Pilgram — ich laufe ...«