»Was haben Sie denn da drinnen gemacht, Buchner? Kommen Sie 'nauf, wir schwatzen ein bissel!«

Die beiden Rivalinnen kamen rasch ins Gespräch. Plötzlich fiel's Jucunda ein, daß ihre Mutter daheim mit dem Mittagessen wartete: Na, dem ließ sich abhelfen — es war nicht alle Tage so nett — nicht alle Tage vertrug man sich so gut mit seinen Kolleginnen — das mußte man auskosten. Sie pfiff sich einen barfüßigen Jungen von der Straße herauf und schickte ihn mit einem Markstück und einem Stadttelegramm zum nächsten Postamt.

»Muß probieren, nicht zum Essen erwarten. Jucunda.«

Die Mädchen teilten das frugale Mittagsmahl, das Mutter Ach ihrer Pensionärin gekocht hatte, und schwatzten, küßten sich, schworen sich ewige Freundschaft ... und Asta Thöny hatte ganz vergessen, daß sie noch heut nacht so heiß geweint hatte, weil man Jucunda Buchner die Pferde ausgespannt hatte und ihr nicht ...

Und Jucunda Buchner dachte nicht mit einem Sterbensgedanken mehr daran, daß um ihretwillen ein junger, wackerer Gesell im Begriff war, seine Zukunft und sein Leben auf ein tolles Spiel zu setzen ...

Erbprinz Heribert und sein Mentor waren beim Dessert ... Zwei junge Leutnants vom hundertsiebenten Regiment, Söhne verarmter Nassau-Dillingenscher Adelsfamilien, deren alte Herren nur Infanteriezulage erschwingen konnten, waren zu Tische geladen. Man trank Pommery und beklatschte Hofskandäler der benachbarten Fürstenhöfe — da wurde in dringlicher, persönlicher Angelegenheit Herr Studiosus Borgmann Neo-Borussiae gemeldet.

»Hm ... dringliche, persönliche Angelegenheit? Also bitte ins Empfangszimmer ... Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, meine Herren ...«

Sporenklirrend ging der Prinz — den militärischen Gästen zu Ehren war er heut in der Uniform seiner Sophiendragoner — in den Salon hinüber, dessen konventionelle Hoteleleganz durch ein paar erlesene Stücke aus dem erbprinzlichen Schloß Beauregard eine Art persönliche Note empfangen hatte.

Herr Borgmann verneigte sich tief. Unter seiner schwarzen Kompresse waren Stirn und Nase erblaßt vor feierlicher Erregung.

»Durchlaucht ... ich bedaure unendlich ... furchtbar peinliche Mission ...«