Zwei Löwen gingen einst selband
In einem Wald spazoren,
Und haben da, von Wut entbrannt,
Einander aufgezohren!«
»Das — kann Ihr Ernst nicht sein!«
»Aber blutiger! Was liegt an einem Rechtskandidaten, einem Erbprinzen, einem Stabsoffizier! Hin müssen sie allesamt werden, damit Jucunda Buchner im Triumph über ihren Leichnamen zum Tempel des Ruhms emporwandelt!«
»Ach — mir ist wirklich nicht nach Späßen zumut!«
»Denken Sie, mir?! Merken Sie nicht, Kindchen: alles, was nicht zum Bau gehört, ist Publikum, das heißt, einzig und allein dazu da, uns zu bewundern, zu feiern, zu erhöhen ... Gestern abend haben sie Ihnen die Pferde ausgespannt und Sie im Wagen nach Hause gezogen: geben Sie mal acht, wenn Ihr Student und Ihr Erbprinz sich Ihretwegen gegenseitig aufgespießt haben — was die Leute dann erst mit Ihnen aufstecken! Auf Händen werden Sie dann nach Hause getragen!«
»Und ... was wird Hoheit zu der Geschichte sagen?«
»Hm ... Hoheit ...« Burg sann einen Augenblick nach. Allerdings, das war zu erwägen ... An Hoheit durfte so eine kindische Affäre natürlich nicht herankommen ...
Aber ... würde es denn überhaupt eine Affäre werden? Franz Burg kannte die Welt und wußte, daß in ihr nichts so heiß gegessen wird, wie jugendlicher Ueberschwang es kochen möchte ...
»Na ... so weit sind wir ja noch lange nicht!« lachte er. »Vorläufig wollen wir mal ruhig zusehen, wie das Rummelchen sich historisch entwickelt ... Is ja ganz nett, auch mal Zuschauer spielen zu dürfen! So, und nun muß ich wieder Affen dressieren — komm her, Langbeinchen, gib mir 'n Kuß!«
Als Jucunda auf der Straße stand, sah sie ihre Kollegin Thöny drüben in einem Fenster des ersten Stockes liegen. Sie winkte ihr zu.