»Kinder,« hörte sie seine Stimme, »faßt Eure Kriegsknechte man recht feste um 'n Hals — Ihr seid jetzt keine höheren Töchter mehr, Ihr seid Lagerdirnen des Friedländers, die hatten etwas weniger etepetetige Umgangsformen als die Leipzigerinnen von 1888! Und wenn's aus Versehen mal 'nen handfesten Kuß absetzt — na, für die Kunst muß man eben Opfer bringen können!«

Ja — das konnte natürlich bis zur Erschlaffung so weitergehen ... und dabei war doch Eile not ... Es half nichts, sie mußte unterbrechen ... obschon sie wußte, daß er das auf den Tod nicht leiden konnte ... Sie trat in den halbdunklen Bühnenraum, den nur die offenen Gasflammen der Proberampe matt erhellten. Da stand Franz Burg neben dem Regietisch, umringt von der andächtig lauschenden Schar des »Volkes«.

»Suchen Sie mich, Buchner?«

»Wenn Sie einen Moment Zeit für mich hätten, Meister ... es ist dringend ...«

Jucunda störte nicht ohne Grund — dafür kannte er sie. Aber allzu gnädig klang es nicht, wie er drinnen im Konversationszimmer ein kurzes »Also los!« hervorstieß.

Und Jucunda berichtete. Ausführlich entschuldigte sie sich, daß sie sich nicht zuerst an ihn gewandt ... ließ deutlich durchblicken, daß ihr die ganze Geschichte nur so über den Kopf gekommen ...

Ein sardonisches Schmunzeln zog über's ausgearbeitete Gesicht des Oberregisseurs, in seinen dunklen, tiefliegenden Augen tanzten tausend Teufelchen.

»Un wat sall ick dorbi dauhn?«

»Helfen sollen Sie, lieber Freund! Das darf doch nicht geschehen!«

»Ganz im Gegenteil, Kindchen — einer von den dreien muß auf der Strecke bleiben — noch besser alle! Die Schädel sollen sie sich spalten — einander auffressen wie die beiden Löwen in dem berühmten Liede: