Jucunda grüßte stumm und königlich. Sie hatte die grüne Mütze, die drei Farben um die Brust des jungen Mannes wiedererkannt ...

»Ich weiß ...« sagte Hans. »Ich war gestern abend in der 'Jungfrau' ... und ich bin auch unter denen gewesen, die —«

»— ihr die Pferde ausgespannt haben — natürlich! Das nächste Mal, Sie Schlingel, spannen Sie mir die Pferde aus — verstanden? Sonst ist's aus mit der guten Nachbarschaft!«

»Wird gemacht!« sagte Hans, der sich wiederfand. »Inzwischen darf ich wohl als bescheidene Entschädigung diese Blümchen ...«

»Ach — das ist famos! Sehen Sie, Jucunderl, es wachsen heuer doch nicht alle Blumen bloß für Dich ...« Und sie drückte den Studenten in einen der verschlissenen, fettigen Damastfauteuils, welche Mutter Achs beste Bude verherrlichten.

Einen raschen Blick warf Hans Thumser in der Bude umher. Wild sah's aus ... auf dem Tisch noch die Reste des bescheidenen Mittagsmahls, Aepfelschalen und die zerknautschten Mundstücke abgerauchter Zigaretten trieben sich auf dem fleckigen Tischtuch herum ... und drüben auf dem Bette aufgestapelte Mullröcke und Spitzenhöschen, auf dem Schreibtisch ein zusammengerolltes Korsett, dazwischen unsaubere Hefte mit ausgeschriebenen Rollen und zerflederte Reclambändchen ...

Asta war diesem Blick gefolgt und sah den Ausdruck von Mißbehagen, der ununterdrückbar das schmissebedeckte tadellos rasierte Gesicht des korrekten und gepflegten Jünglings überzog.

»Bös schaut's aus da drin, gelt? Aber warten S' nur, ich schaff' schon eine Ordnung! Faß an, Jucunderl, Du bist ja schuld, daß ich so einen feschen, jungen Herrn in so einer Schlamperei muß empfangen! Und Sie, Frau Wehe« — die noch immer hübsche, kugelrunde Wittib stand mit nachmittagschlafgeröteten Augen in der Tür — »hinaus mit dem Abfall da! Und ein' Tee kochen S' uns, und Kuchen will ich seh'n und Schlagsahn' und was sich sonst gehört! Da haben S' ein Geld!« Und wie ein Irrlicht fegte das dunkellockige Mädchen in der Stube umher, hob den Bettbezug aus gewebter, leidlich defekter Spitze, das Ueberbett in die Höhe, stopfte die herumliegenden intimen Kleidungsstücke drunter und deckte mit einem Spitzbubenlächeln wieder zu, griff in die Nachttischschublade und warf ein paar Markstücke auf den Tisch, daß zwei, drei in die Stube kollerten und Hans Thumser sich bücken mußte, um sie wieder aufzulesen; griff dazwischen in die Zigarettenschachtel, schob ihren beiden Besuchern, sich selbst und schließlich auch der verlegen grinsenden Wittib eine Zigarette zwischen die Lippen:

»Da, Herr Dummser — haben S' Feuer?«

Und da flimmerten auch die feuchten Lippen, die dunklen, flackernden Augen dicht vor Hansens Gesicht, loderten ihn an, während sie mit ihm zugleich am nämlichen Zündholz ihre Zigarette anbrannte ...