Fritz und Cäcilie von Brandeis.«

Als Agathe van den Bergh diese Zeilen las, gab es ihr einen Ruck am Herzen ... Lange, lange studierte sie die Züge der Photographie, die klare Schrift mit den festen Grundzügen und dem kapriziösen Schnörkelgerank ...

So war es nun schon die zwei Jahre hindurch gewesen: jedesmal, wenn sie ein neues Werk des Geliebten sah, hatte sie dies dumpf nagende Wehgefühl ... Es war nicht Eifersucht ... es war der unbegriffene Schmerz der reinen Mädchenseele, die empfand, daß sie dem geliebten Manne nicht alles — nicht alles war — niemals alles werden würde — ach nein, niemals mehr denn ein kleiner, kleiner Ausschnitt aus seiner Welt —

Es war nicht Mißtrauen ... nur das geheime Grauen war's des ahnenden Mädchenherzens vor den Abgründen im Leben, in der Sehnsucht, in der Vergangenheit und Gegenwart des Mannes ... des Künstlers.


Am vorletzten Samstag vor dem Ausrücken — es war der 25. August — ging Martin Flamberg auf einen viertägigen Urlaub nach Düsseldorf ...

Wie im Fluge verstrichen ihm die wenigen Stunden der Heimfahrt ...

Welch ein Sturm in ihm ... welch ein Sturm der Gefühle — der Leidenschaften — der Gedanken — der Grübeleien und Träume ... Agathe hatte ihm den großen Frieden seines Lebens bringen sollen — ihn ausfüllen bis in die Tiefen seiner Seele ... Er hatte gewähnt, in ihr jene große Liebe gefunden zu haben ... jene große Liebe, von der alle Menschen träumten ... und die Künstler heißer und sehnsüchtiger denn alle andern ... und nun — —

Seine Besuche bei Frau Cäcilie hatten nun aufgehört, und seitdem erst war es ihm ganz bewußt geworden, was diese Besuche ihm bedeutet hatten ... Nein wahrlich, was seitdem in seiner Seele fieberte und stürmte, das hatte wenig Ähnlichkeit mit dem großen Frieden, den er erhofft ...

Agathe empfing ihn am Bahnhof. Der Präsident van den Bergh begleitete seine Tochter.