Martin fühlte, wie seine Braut ihn prüfend ... angstvoll beobachtete ... Er fühlte es, ohne daß er den Zusammenhang begriff; denn Agathe hatte es nicht übers Herz bringen können, auch nur ein Wort über die Sendung der fremden Dame und das seltsame Briefchen, das sie begleitet hatte, an ihren Verlobten zu berichten ...
War es so etwas wie böses Gewissen, was Martin Flamberg hellsichtig machte für die verhohlene Befangenheit seiner Erkorenen ...? Er gab sich lebhaft ... heiter ... ungezwungen ... mit fast lärmhafter Lustigkeit ... Und dabei fühlte er doch, daß sie seine Absicht durchschaute ...
»Nun, Martin,« sagte der Präsident bei der Heimfahrt, »Sie haben inzwischen auch wieder eine neue Arbeit vollendet?« Der Präsident hatte sich noch heute nicht entschließen können, seinem Schwiegersohn das väterliche Du entgegenzubringen.
»So, hat Agathe Ihnen erzählt — ja gewiß, Papa, ich habe meine Zeit gründlich ausgenutzt.«
»Eine schöne Frau! — Ich erinnere mich ihrer noch sehr gut ... als Backfisch machte sie Furore in unsern Salons ... aber sie muß sich inzwischen noch mächtig herausgemacht haben, nach Ihrem Bilde zu schließen.«
»Aber — woher wissen Sie, Papa —?«
Dunkelglühend, mit niedergeschlagenen Augen sagte Agathe: »Die Dame hat mir einen prachtvollen Rosenstrauß geschickt ... und eine Photographie ihres Bildes ...«
»Und davon hast du mir nichts geschrieben!?«
»Ich dachte, sie hätte es dir selber gesagt.«
»Nein, das hat sie nicht — ich habe sie auch nicht mehr gesehen, seit das Bild fertig ist ...«