Allerdings, die Gattin des Brigadekommandeurs hatte sich entschuldigen lassen in taktvoller Rücksicht auf Frau Baronin von Weizsäcker; galt doch der Kommandeuse das ganze heutige Fest, soweit es als ein gesellschaftliches Ereignis ausgestaltet war. Und so hatte die Frau Generalin sich zurückgehalten, damit die Gattin des Regimentskommandeurs die Ehren des Abends unverkürzt als erste genieße.

Von den Stabsoffizieren war der trunk- und wetterfeste Oberstleutnant Rautz Junggesell, der hagere, unnahbare Major Blasberg seit fast zwei Jahren Witwer.

So bildeten die spinöse Frau von Sassenbach, die ihre bürgerliche Geburt durch sehr starke Betonung aristokratischen Wesens zu verdecken suchte, und die aus uraltem Adel stammende, rundliche Frau von Czigorski, die mit ihrem Manne in lautem und bourgeoisem Wesen wetteiferte, die nächste Umgebung der Frau Oberst.

Die Gruppe dieser drei Damen war der Mittelpunkt der Weiblichkeit. An sie gliederte sich auf der einen Seite die Schar der meist schon etwas greisenhaften Gattinnen der Pensionierten, auf der andern Seite die der jungen Frauen der Hauptleute und Oberleutnants und endlich eine ganze Schar junger Mädchen, teils Offizierstöchter, teils geladene Freundinnen der letztern aus der Stadt.

Im großen Saale waren die Stuhlreihen gestellt. Die Bühne war in der Veranda aufgeschlagen, die große Glastür ausgehoben, ihr Rahmen bildete das Proszenium.

Hinterm Vorhang harrte der einjährig-freiwillige Unteroffizier Friesen, aufgeregt wie nur je ein dramatischer Dichter am Abend seiner Premiere an einer Weltstadtbühne, selbstverständlich wieder in Dienstanzug und »Porzellanbuchsen«, Regisseur und Inspizient in einer Person.

Neben ihm saß als Souffleur der jüngste Leutnant Carstanjen, sehr ungnädig über dies Kommando, das ihn für eine Stunde dem Flirt im Saal entzog.

Im Augenblick, als Hans Friesen das erste Glockenzeichen geben wollte, fiel sein Blick seitwärts, wo plötzlich, wie aus der Erde gewachsen, der Gefreite Manes seiner Kompagnie stand, schlotternd vor Befangenheit, im Drillichanzug, mit der schwarzen Gefreitenschnur um den Jackenkragen, die zerknüllte Feldmütze in der Hand, ganz geblendet von den paar Strahlen Festglanz, die seine weit aufgerissen starrenden Augen erhascht hatten. Er machte dem Unteroffizier hilflose Winkzeichen.

»Haben Sie was für mich, Manes?«

»Jawohl, Herr Unner'ffzier ... ene Zettel vom Herr Feldwebel!«