Aber Mollys Prophezeiung erfüllte sich nicht, wenigstens nicht in ihrem ersten Teil.
Zwar hatte Hans Friesen eine offizielle Einladung zum Fest bekommen. Er hatte heimlich gehofft, als Festspielpoet bei den Mitwirkenden des Abends seinen Platz zu finden.
Aber als er in den nun wieder hell erleuchteten Speisesaal trat, da kümmerte sich kein Mensch um ihn, und er drückte sich eine Zeitlang, völlig unbeachtet, in der gräßlichsten Stimmung an den Wänden herum.
Als dann alles Platz nahm, wandte er sich in peinlicher Verlegenheit an den Vizefeldwebel, der den Dienst der Kasinoordonnanzen beaufsichtigte, und fragte, wo ihm sein Platz angewiesen sei. Der antwortete ganz kurz: »Da unten, bei die Avantageur!«
Und richtig! — Man hatte ihn chargenmäßig ganz unten am linken Hufeisenende zwischen die blutjungen Fähnriche und Fahnenjunker gesetzt ...
Diese jungen Herren fühlten sich als zukünftige aktive Offiziere dem Einjährigen um mindestens ein Dutzend gesellschaftliche Nasenlängen voraus und suchten ihn, den um fünf bis sechs Jahre ältern, von oben herab zu behandeln.
Allmählich gewann Hans Friesen den Humor der Situation. —
Nun, wenigstens bei den Bürschchen rechts und links wollte er sich sobald als möglich in Respekt setzen und wartete nur auf die erste passende Gelegenheit, um ein Exempel zu statuieren ...
Inzwischen schaute er nach Molly um ... Sie saß am selben Tisch, aber weit höher hinauf, zwischen den Leutnants Carstanjen und Quincke, die ihr natürlich auf Mord und Tod den Hof machten ...
Ekelhaft, dies verlebte, gelbe Gesicht des fatalen Quincke neben ihrem rosigen, preziösen Köpfchen ... ihren apfelblütenfarbigen Schultern, die sich nun so lockend und schimmernd aus dem rosa Ballfähnchen hoben ...